Um was geht’s denn?

Wie eine kleine Frage selbst gestandenen Redakteuren die Tränen in die Augen treibt

Heute ist ein hektischer Tag. Viel ist zu erledigen. Durch meinen Kopf schwirrt eine To-do-Liste, deren Länge selbst dem Barte des Propheten ein anerkennendes „Sapperlot“ abnötigen würde. Ich atme zweimal tief durch und erinnere mich an das Mantra meines Zeitmanagement-Trainers: Das Wichtige vom Unwichtigen trennen, Prioritäten festsetzen und dann loslegen. Gut gesprochen Zarathustra. Blöd nur, wenn irgendwie nichts Unwichtiges anliegt und alle offenen Punkte den ersten Platz in meinem Sofort-zu-erledigen-Ranking für sich beanspruchen.

Also gut, ich beschließe, mein Kopf-Karussell mit einer Tasse Kaffee zu entschleunigen und dann erstmal eine Runde zu plauschen. Ein gutes Gespräch mit meinem Lieblingsredakteur bringt sicher Schwung in den Tag. Ich habe einen richtig guten Anwenderbericht im Angebot, der perfekt in die nächste Ausgabe passt.  Und wenn das erledigt ist, kann ich auch gleich einen Gesprächstermin auf der Messe mit ihm ausmachen.

Ich greife zum Hörer und wähle. Das Tuten stoppt abrupt, doch anstatt der seit Jahren vertrauten Stimme höre ich das Quäken einer genervten bis unfreundlichen Telefonistin. Sie erklärt mir, mein Ansprechpartner sei nicht zu erreichen und dann kommt die Frage, vor der mir graut. Sie kommt jedes Mal – wie der Wecker, der stets klingelt, wenn der Traum am schönsten ist, oder der unweigerliche Rechnerabsturz nach einem System-Update. Ich bin diese Frage eigentlich gewohnt und doch kann ich sie kaum ertragen. Die Dame holt Luft und fragt: „Um was geht’s denn?“ Um was geht’s denn? weiterlesen