„Kein Schwein ruft mich an – Keine Sau interessiert sich für mich – Solange ich hier wohn – Ist es fast wie Hohn – Schweigt das Telefon“ – Als Max Raabe diesen Song im Jahr 1993 veröffentlichte, stand das Wort Corona vor allem für eine Biermarke. Seit mehr als einem Jahr sieht die Welt aufgrund der Pandemie anders aus. Das Homeoffice ist seitens der Politik verordneter Alltag und natürlich klingelt auch hier ab und zu das Telefon. Das ist abseits der normalen Büroumgebung aber nicht so trivial, wie es sich anhört.

Dank IP-basierter Festnetztelefonie ist es kein Problem mehr, eine Rufnummer auf einen anderen Anschluss umzuleiten. Begibt sich ein PnR-Mitarbeiter ins Homeoffice, drückt er auf seinem Bürotelefon zwei Tasten und jeder folgende Anruf geht aufs Mobiltelefon. In der Theorie klingt das nach einem guten Plan, im Homeoffice sieht die praktische Umsetzung aus unterschiedlichen Gründen manchmal anders aus

„Hallo…?“

Die Netzabdeckung im Mobilfunk ist im Außenbereich in der Regel gut bis sehr gut, reicht aber in der Wohnung selber kaum bis zum SofaSchreibtisch, von dem aus ich im Homeoffice arbeite. Klar, für drinnen gibt es ja das Festnetz. Damit könnte ich zwar via Umleitung alle ankommenden Anrufe in gewohnter Qualität entgegennehmen. Nur wird bei ausgehenden Telefonaten dann eben auch meine private Nummer übermittelt. Suboptimal. Deswegen stand ich bislang mit einem iPhone in der Hand am Fenster, ein oder zwei Empfangsbalken auf dem Display, und versuchte, die bestmögliche Position für das Telefonat zu finden. Auch nicht so der Bringer.

Irgendwann fiel mir in den iPhone-Einstellungen der Punkt „WLAN-Anrufe“ auf. Über diese Option ist es möglich, über das eigene, in der ganzen Wohnung verfügbare WLAN zu telefonieren! Gesagt, getan und es funktioniert tatsächlich. Dank meines Mesh-WLANs ist die Qualität in jedem Zimmer überall gleich gut. Das Funknetz reicht bei mir sogar bis in den Keller, was mich gleich zum nächsten Punkt bringt.

„Moment…“

Geht im Büro ein Anruf ein, wird dieser immer entgegengenommen – selbst, wenn ein Platz gerade nicht besetzt ist (natürlich klingelt es nur, wenn der oder die Angerufene gerade nicht am Schreibtisch sitzt!). Dieser Komfortpuffer ist zuhause natürlich nicht vorhanden. Im Homeoffice wird das Telefon dadurch zum ständigen Begleiter. Ein Gang zur Kaffeemaschine oder in ein anderes Zimmer sind recht gefahrlos. Schnell in den Keller, um Getränke zu holen? Geht auch noch, zur Not klingelt es eben zweimal länger als sonst, bis die Gegenstände abgestellt und Hände wieder frei sind.

Heikel wird der Toilettengang. Telefon mit, ja oder nein? In Sicht- oder Hörweite ablegen? Am besten weder noch. Denn sonst kann das passieren, was einem Bekannten von mir widerfahren ist. Er hat die Story zwar auf Twitter verbreitet, aber ich bringe es nicht übers Herz, das direkt zu verlinken. Hier die leicht abgewandelte, aber trotzdem wahre Geschichte: Zuerst hat ihn die Natur gerufen und währenddessen auch noch eine Kollegin aus dem Büro. Das Gespräch dauerte länger als erwartet und irgendwann, naja, ich will nicht ins Detail gehen, aber das Geräusch war wohl eindeutig zu erkennen und seitdem ist das Thema der ständigen Erreichbarkeit bei ihm definitiv vom Tisch 😉

„Äh…“

Ein weiteres heikles Thema bei Telefonaten und Videokonferenzen im Homeoffice sind die Hintergrundgeräusche. Im Büro ist das kein Problem, da ist die Geräuschkulisse der Umgebung entsprechend. Bei PnR in Ulm wird zudem gegenüber gerade gebaut, dadurch lässt sich sogar der ständige Maschinenlärm erklären. Zuhause hingegen…ich weiß gerade nicht, wo ich anfangen soll: Klingelnde Paketboten und Nachbarn, rund um die Uhr und besonders in den Ruhezeiten mit Laubbläsern und Heckenscheren werkelnde Hausmeisterdienste, rumpelnde Wasch- und klirrende Spülmaschinen, das naheliegende Feld beackernde Traktoren, schreiende Kinder (eigene und fremde), kreischende Haustiere (eigene und fremde) sowie die zwei letztgenannten gerne auch in Kombination – alles ist möglich und fängt oft in der Sekunde an, in der ein Meeting startet oder Anruf reinkommt. Da wünsche ich mir manchmal das Büro zurück. Da ist es zwar oft auch laut, aber anders.