Heute ist der internationale Tag der Schreibmaschine. Dieser wurde vor 15 Jahren vom US-Amerikaner Mike Clemens begründet – bezugnehmend auf den 23. Juni 1868. An diesem Tag erhielten Carlos Glidden und Christopher Latham Sholes in den USA das Patent für ihre Entwicklung, die als erster brauchbarer und kommerziell erfolgreicher Typewriter in die Geschichte einging.
Und Geschichten ranken sich um die Schreibmaschine seitdem zuhauf. So war Mark Twain laut eigener Aussage angeblich der erste Autor, der ein vollständig maschinengeschriebenes Buchmanuskript im Verlag einreichte – mit dem konkreten Werk und der Tatsache, dass seine Sekretärin zuvor erst noch sein handschriftliches Original abtippen musste, nahm er es dabei in seiner Autobiographie nicht ganz so genau. Ganz anders der Schriftsteller Jack Kerouac, der seine Idee zum Roman „Unterwegs“ 1951 innerhalb von drei Wochen auf einer einzigen, über 36 Meter langen Rolle zu Papier brachte.
Aber auch im Hinblick auf historische Meilensteine wie die Neuordnung der Welt nach dem ersten Weltkrieg oder die Watergate-Affäre kommt der Schreibmaschine eine tragende Rolle zu. So fanden Historiker bei der Analyse des Versailler Vertrages, dessen 440 Artikel per Schreibmaschine niedergelegt wurden, später heraus, dass einige territoriale Klauseln mehrdeutig formuliert waren – möglicherweise aufgrund hastiger Korrekturen am Schreibmaschinentext. Es ist somit nicht auszuschließen, dass die Festlegung von Ländergrenzen von Tippfehlern beeinflusst wurde. Eher aufklärerische Wirkung hatte die Schreibmaschine dagegen in Washington. Hier brachte die forensische Geräteanalyse durch das FBI schließlich entscheidende Beweise für die versuchte Vertuschung politischer Sabotageakte seitens der Regierung von Präsident Nixon.
Revolution der Kommunikation – ganz ohne mich
Bereits angesichts dieser wenigen Beispiele steht die historische und gesellschaftliche Bedeutung der Schreibmaschine wohl außer Frage. Ein Erinnerungstag ist also durchaus angebracht – gerade für mich. Denn anders als Uwe Pagel, der seine einschlägigen Erfahrungen nicht missen möchte, hatte ich tatsächlich nie intensiveren Kontakt zu einer Schreibmaschine. Scheinbar falle ich mit Jahrgang 1981 genau in die Brückengeneration: Mein eigenes Leben war zu jedem Zeitpunkt „schreibmaschinenfrei“. Die Schulzeit wurde von Papier und Stift dominiert und im Studium ging es in Sachen Schreiben direkt mit PC und Tastatur los. Im Gegensatz zu einigen Klassenkameraden aus der Grundschule, die sich zumindest mit der Teilnahme an einem Maschinenanfängerkurs brüsten können, blieb mir selbst ein solcher „Schnupperexkurs“ in die Welt der Typenhebel verwehrt.
Schöne neue Welt?
Umso mehr schürt der Blick auf diese „gute alte“ Zeit das sentimentale Empfinden. Denn was ist davon heute noch übrig? Mittlerweile ist scheinbar sogar die Computertastatur – als letzte Reminiszenz an die Schreibmaschine – nahezu obsolet geworden. Prompts zur Textgenerierung werden eingesprochen, die Maus erledigt dann per Copy & Paste den Rest. Und selbst das Passwort beim Einloggen muss nicht mehr eingegeben werden, dafür gibt es ja TouchID. Versinken damit „Anschläge“, die im Journalismus über Jahrzehnte die entscheidende Maßgabe waren, in der Versenkung? Physisch ist davon zumindest nicht mehr viel übrig.
Call to Action
Von daher möchte ich alle, die dies jetzt lesen, dazu anregen, jeden einzelnen Knopf auf ihrer Tastatur heute mindestens einmal zu drücken (gerne auch über das Kommentarfeld) – am besten musikalisch hinterlegt mit einer dieser Aufzeichnungen. Das passt nicht nur zum heutigen Aktionstag, sondern entspannt auch ungemein :-). Und wer weiß, wie lange wir noch in diesen Genuss kommen.
