Film- und Serien-Liebhaber haben es heutzutage nicht gerade leicht: Das Angebot an sehenswertem Material ist zwar sehr groß, aber auf viele Anbieter im Web und unterschiedliche Fernsehprogramme verteilt. Wer einen Blockbuster im Kino verpasst hat und Wert auf HD-Bild- sowie Tonqualität legt, muss sich aus diesem Grund für eines oder gleich mehrere Streaming-Angebote entscheiden. Kundenfreundlich ist das nicht, von den Kosten ganz zu schweigen.

Welcher Anbieter darf es denn sein?

Hierzulande buhlen aktuell Netflix, Amazon Prime Video, Sky sowie der jüngst gestartete deutsche Anbieter Joyn (Nachfolger von Maxdome) um die Gunst der zahlenden Kundschaft für den sogenannten Over-the-top content (OTT). Als wäre das nicht genug, kommen noch die Inhalte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks dazu. Diese werden im linearen TV zu festen Zeiten ausgestrahlt und stehen in den Online-Mediatheken meist nur für einen eingeschränkten Zeitraum oder – ein Novum – nicht immer zu allen Zeiten zur Verfügung. Das liegt daran, dass bestimmte Inhalte aufgrund der Jugendschutzbestimmungen Altersfreigaben unterliegen und daher nur ab einer festgelegten Uhrzeit abgerufen werden können. Das Internet hat in diesem Fall dann eben – sehr deutsche – Öffnungszeiten. Die anderen Anbieter stellen die Altersverifikation über ihre eigenen Streaming-Apps sicher.

Exklusivität um jeden Preis?

Egal, wohin man schaut: Das Zauberwort bei allen Anbietern heißt „Exklusivität“. Entweder gibt es bestimmte Filme und Serien nur dort zu sehen oder sie werden eigens für die jeweilige Plattform produziert. Letzteres hat in der Regel zur Folge, dass eine spätere Veröffentlichung auf DVD oder Blu-ray ausgeschlossen ist. Als wäre das für Filmfans nicht bereits schlecht genug, schickt sich mit Disney ab 2020 eine filmische Großmacht an, seine eigenen Marken künftig unter dem Label „Disney+“ zu bündeln und von den anderen Plattformen abzuziehen. Filme, Serien und Sendungen von Pixar, Marvel, Star Wars und National Geographic stehen dann nur noch dort zur Verfügung. Der Aufwand rechnet sich offensichtlich: Es geht teilweise um Milliarden-Summen, die zur Herstellung des Contents investiert werden.

Das mit dem „in die Röhre schauen“ ist also nicht nur kompliziert, sondern kann für den Zuschauer auch richtig teuer werden. Den Rundfunkbeitrag von 17,50 Euro muss bereits jeder deutsche Haushalt zahlen, dazu kommen noch die Gebühren für den Internetzugang. Dieser sollte möglichst schnell sein, um die HD- bzw. 4K-Inhalte ohne Ruckler oder Artefakte ansehen zu können. Falls sich im Haushalt mehrere Personen befinden und ein zweiter Stream oder eine sonstige höhere Belastung der Leitung (Online-Gaming) eintritt, kann darüber hinaus etwas Reserve-Bandbreite nicht schaden. Alle Anbieter bieten monatlich kündbare Abos an, die bei etwa 8 Euro beginnen und teilweise Aufpreislisten (SD, HD, 4K, diverse Tonqualitäten) bieten, die einem Kino-Besuch in nichts nachstehen.

Die aussterbende Alternative

Aus diesem Überfluss wird der Blick wieder frei auf eine totgeglaubte Alternative, die gerade angesichts der zunehmenden Streaming-Angenote wieder interessant wird: Videotheken (ja, die 80er rufen gerade an). Meine Kollegen lachen mich immer wieder gerne aus, wenn ich – meist kurz vor dem Wochenende – in eine der letzten überhaupt noch existierenden Videotheken in der Nähe gehe und mit einem Packen aktueller Filme zurückkomme. Dafür kann ich diese dann in aller Ruhe, in der besten Qualität sowie wahlweise in deutsch oder englisch genießen, ohne mir Gedanken über den richtigen Streaming-Anbieter oder die Qualität meiner Internetleitung machen zu müssen.