,,Ich habe das Studium abgebrochen.‘‘

Diesen Satz müssen sich immer mehr Eltern von ihren Kindern anhören, denn fast jeder dritte Bachelorstudent in Deutschland bricht sein Studium ab. Uni-Abbruch wird heute oftmals mit Scheitern verbunden. Dabei kann dies auch viele Vorteile mit sich bringen und neue Türen öffnen. Ich befasse mich heute mit diesem Thema, weil ich selbst zu den Studentinnen gehöre, die nach einem Semester Architektur an der Universität Stuttgart schon genug davon hatten.

Unzufrieden mit dem Studium?

Tag für Tag sitzen Studenten in der Vorlesung und merken, wie ihr Interesse unaufhaltsam nachlässt. Diese Erkenntnis bereitet ihnen Unbehagen und doch entscheiden sich viele trotzdem dafür, es durchzuziehen. Denn wer will schon einen lückenhaften Lebenslauf, der ein mangelndes Durchhaltevermögen vermuten lässt? Die Antwort ist leicht: keiner. Folglich ist es nicht unüblich, dass das unvermeidliche Ende immer weiter hinausgezögert wird.

Bei mir scheiterte es an meiner Vorstellung vom Beruf eines Architekten und der hektischen Zielsetzung nach dem Abi. Zudem wurde mein Wunsch nach mehr Kreativität und Abwechslung im Alltag des Studiums nicht geweckt. Die fest vorgeschriebenen Pläne und die ständigen Modellarbeiten erzeugten in mir Bauchschmerzen und Unwohlsein, die nicht enden wollten. Ich dachte mir immer wieder, dass es spannender wird. Wurde es aber nicht. Aufhören kam für mich auch nicht in Frage, da ich weder meine Eltern enttäuschen, noch für andere ein Beispiel des Scheiterns sein wollte. Andererseits hatte ich mich während der zwei Monate Studienzeit selbst gefunden und wusste, welchen Weg ich in naher Zukunft gehen möchte. Nach langem Verdrängen ging es für mich so nicht mehr weiter. Mit vollem Elan fasste ich all den aufgebauten Mut zusammen und erzählte meiner Mutter von meinem Entschluss, nach dem ersten Semester abzubrechen.

Wie geht es weiter?

Wofür mein Herz schlägt? Für Mode und Reisen! Diese Erkenntnis merkte ich bereits nach meinem Abitur und festigte sich nach meinem ersten Semester. Mit zwei Muttersprachen aufgewachsen, hatte ich nie sonderlich Probleme mit Sprachen. Zuhause wird Chinesisch, Deutsch und Englisch gesprochen, sodass ich ohne lang zu überlegen weiß, ich will reisen und meine Sprachkenntnisse in vollen Zügen nutzen. Im Weiteren habe ich einen starken Hang zu Mode und Kosmetik und kam auf diesem Weg in die Branche der Fashion-Magazine. Hier werden all meine Interessen verknüpft. Der Gedanke um die Welt zu reisen, über die Fashionwelt und alles was damit zusammenhängt zu schreiben und dabei noch mit den Kunden in verschiedenen Sprachen zu interagieren, erfüllt mich mit großer Freude.

Schließlich habe ich mich für den Studiengang Crossmedia-Redaktion und Public Relations entschieden und mich für das kommende Wintersemester beworben. Hierfür schien mir ein 3-monatiges Praktikum bei Press’n’Relations ideal, da ich die Berufswelt eines Journalisten kennenlernen möchte und mich vor allem mit dem Bereich Public Relations näher auseinandersetzen will. Erfahrungsgemäß wollte ich mich nicht in etwas Unvertrautes hineinstürzen, daher scheint mir die Agentur mit ihrem Fachbereich in der PR-Arbeit der geeignete Ort zu sein, um mein Unwissen zu füllen.

Was kann man daraus lernen?

Eine Pause aus dem Uni-Alltag muss nicht direkt Weltuntergang heißen. Viel mehr kann es ein Befreiungsschlag sein, um neuen Wegen zu folgen. Die Entscheidung verlangt Mut und das Hinterfragen der eigenen Wünsche zeigt auch eine gewisse Reife, sodass es nicht als Scheitern abgestempelt werden sollte. Wichtig ist es, sich immer die Zeit zu nehmen, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Auch ein Praktikum – wie in meinem Fall bei Press’n’Relations – kann von großem Nutzen sein, um sich über das jeweilige Fachgebiet zu informieren. So können schon mit wenigen Schritten unüberlegte Studienwahlen vermieden werden. Als Fazit also: Wenn Plan A nicht klappt, können B bis Z wesentlich bessere Alternativen sein!

Eileen Wagner