Schon als kleine Kinder wurden wir häufig mit der Frage konfrontiert: „Was willst du denn mal werden?“ Kinder beantworten solche Fragen meistens pragmatisch. Oft führt ein neues Lego Spielzeug, eine Lieblingssendung oder einfach eine kürzlich gemachte Erfahrung zu Antworten wie Feuerwehrmann, Müllmann oder Prinzessin. Je älter das Kind desto konkreter wird der Berufswunsch. Da kann es dann auch mal der Traum vom Tierarzt oder der Polizistin sein. Faktoren wie Gehalt und persönliche Kompetenzen sind unwichtig.

Doch sobald man so langsam erwachsen wird und der Schulabschluss bevorsteht, gilt es sich ernsthafte Gedanken über seine Zukunft zu machen. Und auf einmal erscheint die Frage: „Was willst du mit deinem Leben anfangen?“ unlösbar. Was uns damals noch so leicht zu beantworten schien, ist nun einer der schwersten Fragen überhaupt. Für die meisten jedenfalls. Doch woran liegt das? Sind über die Jahre einfach Leichtigkeit und Kreativität verloren gegangen? Oder ist die Angst, eine solch große Entscheidung treffen zu müssen das, was blockiert?

Kreativität ist doch nur eine Laune…oder?

Ich glaube, dass man im Laufe seiner Schulzeit darauf getrimmt wird, Vorgesagtes zu lernen und zu wiederholen. Da bleibt wenig Platz für eigene Sichtweise oder das Entwickeln und Ausprobieren verschiedenster Interessen. Das führt dazu, dass die Entscheidung, den ersten Schritt in die Berufswelt zu wagen, überrumpelnd wirken kann. In den letzten Jahren entscheiden sich immer mehr junge Leute zu studieren. Erst gestern habe ich einen Artikel in der Zeitung gelesen, in dem berichtet wurde: Unternehmen haben deutschlandweit Probleme, ihre Ausbildungsplätze zu füllen. Stattdessen gehen viele direkt aus der Schule ins Studium.

Auch ich bin diesen Weg gegangen. Bereuen tue ich es nicht, denn ich bin jung und habe noch viele Möglichkeiten Neues zu erleben und auszuprobieren. Dennoch bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich den richtigen Studiengang gewählt habe. In meiner Freizeit war ich schon immer gerne kreativ. Ich habe viel gemalt, mich mit Fotografie und Mode beschäftigt, eigene Websites gestaltet und mein Zimmer jede Woche umgestellt (was meine Mutter in den Wahnsinn getrieben hat). Bücher wälzen und stures auswendig lernen war eigentlich nie so wirklich mein Ding. Trotzdem habe ich mich direkt nach dem Abi auf einen Studienplatz beworben. Man könnte sich jetzt fragen: Warum das denn?! Um ehrlich zu sein, habe ich selbst keine Ahnung.

Luftschloss im 15. Stock

Ich hatte schon immer dieses gewisse Bild von mir selbst und meinem Leben in der Zukunft. Das Bild einer erfolgreichen Karrierefrau, die sich in ihrem Job hocharbeitet und in einem Penthouse in New York lebt. Um dieses Bild zu erreichen, musste ich also nach einem Beruf suchen, der mir diese Möglichkeiten bietet. Dadurch habe ich automatisch jegliche kreativen Optionen ausgeschlossen. Ein Studiensemester und ein paar Praktika später hat sich mein Lebensziel schon etwas gewandelt und ich tendiere doch eher dazu, mich in eine kreativere Richtung zu orientieren. Außerdem habe ich gemerkt, dass ich die Tätigkeit, die ich ausübe und nicht den Lebensstil, den ich mir erträume, vorne anstellen sollte. Denn dieser fügt sich dann sowieso.

Die Suche nach dem Richtigen

Mein Studiengang (Informationsmanagement und Unternehmenskommunikation) bietet eine gute Grundlage für jegliche Weiterentwicklung. Dennoch möchte ich mich irgendwann eher auf etwas Kreativeres spezifizieren. Aber eigentlich ist es egal, was man macht, es kommt viel mehr darauf an, was man daraus mitnimmt. Wenn es um die Frage geht, was mache ich als nächstes, kann man gar nicht DIE falsche Entscheidung treffen, welche sich nicht mehr rückgängig machen lässt. Wie Konfuzius schon sagte: „Der Weg ist das Ziel“. Denn im Endeffekt haben wir nur dieses eine Leben und solange wir nicht stehenbleiben und aufgeben, haben wir unendlich viele neue Möglichkeiten, uns umzuorientieren. Ich jedenfalls habe mir vorgenommen, mich nicht zu sehr auf ein bestimmtes Ziel zu verkrampfen, sondern einfach möglichst viel zu erleben und auszuprobieren. In der Hoffnung, „Das Richtige“ wird dann schon kommen.

Doch ob es das überhaupt gibt, bleibt abzuwarten.

Sinah Scholpp