Vieles ist bereits über die sogenannte Generation Y, also all jenen Menschen der Jahrgänge 1977 bis 1998, geschrieben worden. Von Schimpftiraden bis zu Lobeshymnen war inhaltlich wohl alles dabei. Die einen deklarieren uns als Generation Weichei und bezeichnen uns als Traumtänzer, die anderen nennen uns egoistische Nesthocker. Dass sich die Älteren über die Jüngeren auslassen, hat aber nicht erst seit der revolutionären 68er-Generation Bestand. Sogar Sokrates hat sich schon lautstark über den Nachwuchs seiner Zeit beschwert: „Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“ Man sieht: Das Niedermachen der Jugend hat Tradition- und das bereits seit vor Christi Geburt. Bei aller Kritik an der Generation Y ist eine Tatsache aber kaum von der Hand zu weisen: Wir sind die bisher internationalste, vielsprachigste und akademisch am besten ausgebildete Generation. Noch nie zuvor haben so viele junge Menschen Abitur gemacht und ein Hochschulstudium absolviert. Zumindest ein Bruchteil von uns, auf den sich Soziologen gerne beziehen.

Laut ihnen zeichnet sich meine Generation – scheinbar – durch die folgenden Eigenschaften aus: Wir sind die erste Bevölkerungskohorte, die mit dem Internet aufwuchs und dabei von fürsorglichen Eltern partnerschaftlich in einer globalisierten Konsumgesellschaft großgezogen wurde. Hierarchien kennen wir also nicht von zuhause und schätzen sie daher auch nicht am Arbeitsplatz. Dafür lieben wir Kreativität und gehen den Dingen gerne auf den Grund. Der Buchstabe Y, der im Englischen die phonetische Lautung „why“ trägt, unterstreicht unsere fortwährende Sinnsuche und das Hinterfragen gängiger Sachverhalte. Wir möchten nicht nur einen Beruf ausüben, sondern vielmehr unsere Berufung finden. Haben wir diese gefunden, wollen wir von einem frühen Zeitpunkt an Verantwortung übernehmen und tatkräftig anpacken. Arbeit definieren wir als einen Teil unserer Identität und sehen diese dank einer technikaffinen Lebensführung nicht mehr an Zeit und Ort gebunden. Die Grenzen zwischen online und offline sind für uns verschwunden. Wir führen den täglichen Gang zur Arbeit nicht aus, um uns die gängigen Statussymbole leisten zu können, sondern um uns selbst zu verwirklichen. Glück schlägt letztlich eben Geld. Zudem sind wir wahre Meister der Anpassung. Mit Unbeständigkeiten kommen wir zurecht, da wir in Zeiten von ökonomischen und politischen Krisen aufgewachsen sind. Der Umgang mit Wandel hat für uns Bestand. Mehr noch streben wir in allen Lebensbereichen nach Perfektion, die wir doch nie erreichen werden. Laut Psychologen hat uns diese Tatsache übrigens ziemlich beziehungsunfähig gemacht. Unser Credo lautet „nichts ist unmöglich“ und doch haben wir große Angst uns für oder gegen etwas zu entscheiden. Wie heißt es doch so schön: eine Entscheidung ist ein Massenmord an Möglichkeiten.

Und an diesem Punkt scheint die Bezeichnung der selbstbewussten und zielstrebigen Generation Y bereits nicht mehr zu greifen. Vielmehr entsteht ein Bild einer Generation voller Widersprüche, gefangen irgendwo zwischen Neo-Biedermeier und hochmotiviertem Draufgänger. Die eigene Unsicherheit wird im Angesicht der scheinbar perfekten und ach so tollen und aufregenden Lebenswege unserer ehemaligen Klassenkameraden, die wir auf Facebook präsentiert bekommen, noch verstärkt. Dass diese geschönten Wirklichkeiten nicht der Realität entsprechen, vergessen wir dabei gerne.

Generation_YDies ist zumindest ein gängiges Bild, das entsteht, wenn man diverse Artikel von Mitzwanzigern in der Zeit oder der FAZ liest (siehe beispielsweise den FAZ-Beitrag „Das Jetzt ist eine Wartehalle“). Dabei wird dann auf einem wahnsinnig hohen Niveau gejammert: Man beschwert sich über die vorherrschende Orientierungslosigkeit nach dem Studium, die fehlende Motivation, die Schwierigkeit einen bestimmten Beruf und Lebensweg zu wählen oder die Unfähigkeit sich mit dem nötigen Engagement der eigenen Promotion zu widmen. Und dabei wird dann schnell ein Punkt erreicht, an dem ich den Autoren und Autorinnen nicht mehr folgen kann und will.

Natürlich ist es schwer aus einer Vielzahl von Möglichkeiten die richtige auszuwählen. Aber wollen wir wirklich zurück in eine Zeit, in welcher der eigene Lebensweg inklusive Ausbildung, Heirat, Kindern und Hausbau vorgezeichnet war? Mit Sicherheit nicht. Wir verfügen über eine Vielzahl an Freiheiten über die sich andere Generationen sicherlich gefreut hätten. Es besteht daher kein Anlass sich längerfristig in der sogenannten Quarterlife Crisis, die wohl spätestens irgendwo zwischen Studienende und erstem Job einsetzt, aufzuhalten. Aber muss man hier wirklich gleich von einer Krise sprechen? Letztlich sind Unsicherheiten an entscheidenden Wendepunkten im Leben doch wohl normal. Gerade in der heutigen schnelllebigen Zeit werden Festanstellungen immer seltener. Es gilt, dem Diktat einer lückenlosen Joborientierung gerecht zu werden. Eigentlich sollte es uns nicht schwer fallen einfach mal etwas zu riskieren und ein bisschen aus der Reihe zu tanzen. Und deshalb bleibt aus der selbstgewählten Sackgasse Selbstmitleid auch nur ein Ausweg: Handeln! In der Regel hilft nämlich nur das gegen Untätigkeit und Stillstand. Wir sollten uns generell weniger davor fürchten, Fehler zu machen. Der größte besteht nämlich darin, aus Angst, sie zu begehen, nie richtig anzufangen. Und dies wäre nun wirklich ein Jammer. Also, mit ein bisschen mehr Mut schaffen wir es vielleicht noch von der Generation „why“ zur Generation „why not“…

Annika Rasch