Als Kommunikationsexperten sind wir bei PNR natürlich im Bilde, wenn es um die gezielte Informationsvermittlung geht: Botschaften, Anspruchsgruppen und mediale Kanäle jeder Art gehören schließlich zu unserem täglich Brot. Nichtsdestotrotz gibt es Sphären der Interaktion, die durchaus Überraschungen bereithalten – wie die folgende Episode zeigen soll.

Man kann nicht nicht kommunizieren …

Wie oft habe ich diesen Satz von Paul Watzlawick während meines Studiums der Angewandten Medienwissenschaft gehört, gelesen und geschrieben. Und trotzdem: In Herz und Hirn ist das Ganze scheinbar doch nicht übergegangen.

Blog_Watzlawick_kleinSonst wäre es wohl nie zu folgender Situation gekommen. Nach einem Meeting im letzten Jahr brachte mich eine Frage komplett aus der Fasson: „Du hast dich gestern ja tierisch gelangweilt, oder?“ Ich war erst mal perplex. Tatsächlich war der Tag zuvor nicht einer meiner besten gewesen, ich fühlte mich ein wenig übermüdet, gestresst und war trotz sommerlicher Temperaturen von über 20 Grad am Frösteln. Nichtsdestotrotz fand ich das besprochene Thema keineswegs dröge, sondern wichtig und interessant. Auf mein Nachhaken, wie der Eindruck der Langeweile entstanden sei, wurden vor allem meine konsequent verschränkten Arme, wiederholtes Gähnen und meine Nachfragen zu Inhalten, die erst kurze Zeit vorher angesprochen worden waren, ins Feld geführt.

Hm, da hatte ich mich offensichtlich nicht mit Ruhm bekleckert. Das Fatale daran ist allerdings, dass dies meiner subjektiven Wahrnehmung komplett entgangen ist. Ok, die Arme waren an diesem Tag bewusst verknotet. Die Abwehr galt allerdings allein der Kälte, nicht der Information. Alles andere streite ich nach wie vor ab und behaupte das Gegenteil. Und somit steht Aussage gegen Aussage. Metakommunikation ist eben doch ein Gauner, oder nicht?

Auch wenn ich die Uhr nicht mehr zurückdrehen kann, zum Nachdenken hat mich dieser Konflikt von Eigen- und Fremdbild in jedem Fall angeregt. Es kämpften sich automatisch weitere von Paul Watzlawick formulierte Grundsätze, die ich vor gefühlten tausend Jahren in meiner Seminargruppe ausführlich diskutiert hatte, fetzenhaft in mein Gedächtnis zurück und zwangen mich zum Googeln, um die Lücken zu schließen. Hier also der Vollständigkeit halber auch die restlichen vier Axiome des österreichisch-amerikanischen Kommunikationswissenschaftlers:

  • Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt
  • Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung
  • Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten
  • Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär

(siehe dazu auch http://www.paulwatzlawick.de/axiome.html)

… Was die Auseinandersetzung mit der Thematik natürlich keineswegs leichter macht. Denn die Dimensionen jedes einzelnen Wortes oder jeder Geste wachsen vor dem Hintergrund dieser Aussagen ins Unermessliche.

Mal ganz davon abgesehen, was das bedeutet, wenn man auch jeden Facebook-Kommentar oder Instagram-Post mit einbezieht. Kommunizieren wir uns dann zu Tode? Ich glaube nicht. Stattdessen bin ich inzwischen umso fester davon überzeugt, dass wichtige Situationen durchaus von Zeit zu Zeit hinterfragt werden sollten, ohne dabei zu übertreiben und jede noch so kleine Bewegung gleich auf die Goldwaage zu legen – sowohl auf Sender- als auch auf Empfängerebene. Überinterpretation kann schließlich auch aus Mücken Elefanten machen und den Alltag in einen unnötigen Spießrutenlauf verwandeln.

Ich stelle mir inzwischen allerdings durchaus öfter die Frage, wie mein Agieren im jeweiligen Moment auf andere wirken könnte. Und somit wird mir wieder klar, was es heißt, „Medienwissenschaft“ „anzuwenden“. Für das Leben lernen wir.