Seit 2019 habe ich einen Bachelor-Abschluss in Anglistik. Nun soll 2022 das Jahr werden, in dem ich den konsekutiven Master „English and American Studies“ an der Universität Augsburg absolviere. Was mich während meines Studiums wohl am meisten begleitete, war die Frage, was ich denn am Ende damit mache. Diese Frage habe ich mir selbst nur allzu oft gestellt. Dramaturgin, Übersetzerin, Englischlehrerin – all das sind Berufe, die mir immer wieder vorgeschlagen wurden, ich mir persönlich aber nur schwer vorstellen konnte. Doch gerade deswegen sind Praktika so unglaublich wichtig, um sich der eigenen Fähigkeiten, Stärken und Neigungen bewusst zu werden. Allerdings gestaltet sich die Suche nach einer passenden und bevorzugt bezahlten Praktikumsstelle unglaublich schwierig. Irgendwo muss man aber ja anfangen, und in meinem Fall lag dieser Anfang in einer PR-Redaktion. Dennoch kommen immer wieder Selbstzweifel auf: Eine Anglistin in einer PR-Agentur – passt das überhaupt? 

Nicht nur Shakespeare

Als Anglistin mit Schwerpunkt auf Literatur- und Kulturwissenschaft beschäftige ich mich – relativ selbsterklärend – mit englischer Literatur. Das bedeutet aber nicht, dass im Studium ausschließlich Shakespeares Werke totinterpretiert werden. Überhaupt hatte ich im gesamten Studium bislang nur einen einzigen Kurs über Shakespeare. Meine Interessen liegen eher an zeitgenössischer, postkolonialer Literatur sowie Popkultur und deren Relevanz für und Aussagekraft über unsere Gesellschaft. Das Masterstudium gestaltete sich zudem wesentlich abstrakter und philosophischer als erwartet: So wurde unter anderem Immanuel Kants Erkenntnistheorie mit Bezug auf das Erhabene in der englischen Romantik oder über die Frage nach menschlicher Identität im digitalen Zeitalter philosophiert.

Für jede Person der passende Platz 

Was mich in meinem Praktikum bisher am meisten überrascht hat, ist die Tatsache, dass meine Kollegen und Kolleginnen bei Press’n’Relations aus den unterschiedlichsten Bereichen kommen. Von Journalismus, Soziologie, Geschichte, Medienwissenschaft, Philosophie und Wirtschaft sind eigentlich fast alle Disziplinen abgedeckt. Also ist es nicht ganz abwegig, dass eine Anglistin hier auch ihren Platz finden könnte. Die wichtigste Vorrausetzung für diesen Beruf ist wohl die Freude am Texten. Und die kann jede Person mitbringen, ganz unabhängig von der Ausbildung.  Während ich für mein vorheriges Praktikum hauptsächlich Texte zu Themen der Baubranche schrieb, gestaltet sich mein jetziges wesentlich abwechslungsreicher. Nach kurzer Zeit stellte ich fest, dass der Arbeitsalltag in einer PR-Agentur nicht nur aus dem Lesen und Schreiben von Texten (so wie diesem hier) besteht. Ich glaube, ich muss nicht im Detail erwähnen, was genau meine Aufgaben sind, dies haben schon meine Vorgänger und Vorgängerinnen für mich erledigt. Genauso wie die Tatsache, dass ich an meinem ersten Arbeitstag keinen blassen Schimmer von Clippings und deren Wichtigkeit in der PR-Arbeit hatte. Press’n’Relations betreut die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für eine ganze Bandbreite an Kunden aus den unterschiedlichsten Bereichen. So kommt es also nicht selten vor, dass ich mich am selben Tag mit Pressemitteilungen über Industriestaubsauger, Hotelbettwäsche und Bier befasse. Und um ehrlich zu sein, Shakespeare vermisse ich bisher noch nicht. 

In den letzten vier Wochen Praktikum durfte ich ein Interview führen. Ich durfte einen Blick hinter die Kulissen von Dreharbeiten für einen Fernsehbeitrag werfen. Und ich durfte an einer Redaktionssitzung teilnehmen. Meine Zwischenbilanz: ganz schön abwechslungsreich. Ich bin gespannt, welche Aufgaben in den nächsten Monaten noch auf mich zukommen werden, über die ich hier im Prakti-Blog berichten werde. So long!