Ralf Grimminger leitet seit 2007 die Agentur Ulmer Pressedienst, die rund 50 mittelständische Unternehmen im Ulmer Raum mit einer Mitarbeiterzahl von 20 bis 1200 in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Medienberatung unterstützt. Sein Spezialgebiet ist dabei die lokale Pressearbeit. Ralf Grimminger volontierte bei der Schwäbischen Zeitung und war danach über 20 Jahre lang Redakteur in der Ulmer Redaktion der Südwest Presse. Heute erzählt er uns im Interview, was man als Lokalpressearbeiter beachten muss.

Herr Grimminger, was ist der wichtigste Unterschied zwischen der lokalen und der nationalen bzw. internationalen Pressearbeit?

Bei der lokalen Pressearbeit hat ein Fachartikel kaum Chancen, platziert zu werden, weil es keine Fachseiten gibt. Es gilt also, das Thema noch einfacher, noch allgemeiner und sehr kurz darzustellen. Kaum Chancen haben Produktvorstellungen  oder Produktneuheiten. Ein lokaler Pressearbeiter ist daher noch mehr gefordert, presserelevante Themen in den Unternehmen über die gängigen Themen wie Auszeichnungen, Investitionen, Bilanzen oder Personalentwicklung  hinaus zu finden und zu kommunizieren. Auch lokale Redaktionen werden mittlerweile mit PR überschwemmt. Daher hat – wie stets – auch in der lokalen Pressearbeit nur der Erfolg, der den Redaktionen Qualität und interessante Themen liefert. Das heißt dann auch unter Umständen für die Agentur, auf Geld zu verzichten. Die in der nationalen Pressearbeit übliche monatliche oder jähliche Pauschale fördert die Begehrlichkeit des Kunden, einmal im Monat in den Medien zu erscheinen. Ein Mittelständler bietet allerdings nicht unbedingt jeden Monat ein interessantes, presserelevantes Thema. Bevor die Redaktionen aber mit unwichtigen Meldungen genervt werden, beschränkt man sich besser auf 4 bis 6 wirklich wichtige Meldungen, die dann auch Erfolg haben.

Welche internen Strukturen/Gegebenheiten der Redaktion sind wichtig für die eigene Arbeit (z.B. Redaktionsschluss, Ressorts, …)? Welche Vorlaufzeiten sind bei der Ansprache der Lokalredaktion sinnvoll?

Im Lokalen gilt es, die Vorlaufzeiten der Monats- und Wochenblätter sowie der Tageszeitungen im Blick zu haben. Wichtig ist auch die genaue Kenntnis der verschiedenen Ressorts und Lokalausgaben sowie deren Ansprechpartner in den Redaktionen. Die Meldung muss gezielt auf den Schreibtisch des jeweils zuständigen Redakteurs. Die Vorlaufzeiten bei der tagesaktuellen Arbeit werden immer kürzer, Radiosender und TV entscheiden teilweise erst am Tag eines Presseanlasses, ob sie einen Redakteur dazu entsenden. Es empfiehlt sich, die Einladung z.B. für eine Pressekonferenz 8 bis 10 Tage vor dem Termin zu versenden und einen Tag vor der Aktion alle Redaktionen noch einmal abzutelefonieren.

Wie läuft die Beziehungspflege mit lokalen Redakteuren?

Auf üblichem Weg. Gespräche bei Veranstaltungen, schnelle Hilfe und Vermittlung bei Wünschen nach Gesprächspartnern in den Unternehmen. Gelegentlich bieten wir ein Hintergrundgespräch an oder informieren auch exklusiv einen ausgewählten Redakteur über ein spezielles Thema, an dem er interessiert ist. Dadurch hat er nicht unbedingt tagesaktuell einen Vorsprung, aber einen Wissensvorsprung. Denn ein guter Pressearbeiter mit vielen Kunden aus dem Mittelstand ist meist ebenso gut über die Wirtschaft in der Region informiert wie ein lokaler Wirtschaftsredakteur und daher auch für den Redakteur eine gute Informationsquelle.

Welche Werkzeuge sind, neben der klassischen Pressemitteilung, sinnvoll?

Begrenzt Sonderveröffentlichungen oder Beilagen in den Zeitungen und Spezialsendungen im Hörfunk. Zuvor muss geprüft werden, welche Zeitung (Magazin, Tageszeitung, Wochenzeitung) von der Leserstruktur her zum Thema oder zum Kunden passt. Gleiches gilt für regionale Beiträge in Hörfunk und TV. Bei Veranstaltungen können Tickets, Meet & Greet o.Ä. als Leser/Hörer-Aktionen den Redaktionen angeboten werden.

Was ist eine lokale Nachricht wert?

Sehr viel. Die Lokalzeitung hat eine sehr hohe Glaubwürdigkeit, auch wenn die Leser oft schimpfen oder abwertend übers „Blättle“ oder den „Dudelfunk“ reden. In einer kleinen Meldung werden viele Informationen auf kleinem Platz an prominenter Stelle transportiert. Erscheint das Unternehmen regelmäßig mit einer Meldung im redaktionellen Teil wird das Unternehmen als aktiv, wichtig und als interessanter Arbeitgeber wahrgenommen. Das ist nicht nur gut fürs Image, es verhilft den Personalabteilungen auch zu qualifizierten, gezielten Bewerbungen. Insofern ist es durchaus auch wichtig für große Unternehmen oder Konzerne, mit Nachrichten in lokalen Medien präsent zu sein. Denn Arbeitssuchende oder Arbeitnehmer, die sich für eine andere Stelle in ihrer Region interessieren, informieren sich in den lokalen Medien und nicht über die nationalen Medien.

Wie entwickelt sich die lokale Berichterstattung in Zukunft – von Print zu online?

Ein schwieriges Thema. Online wird sicherlich auch im Lokalen mehr Bedeutung gewinnen. Auch ist der Ansatz der Verlage richtig, sich die lokalen Nachrichten im Internet bezahlen zu lassen. Schließlich gibt es die nationalen und internationalen Nachrichten via Spiegel oder Tagesschau und viele anderer Anbieter – umsonst. Die lokale Nachricht ist die Kompetenz der Lokalzeitung. Wie weit die Leser aber bereit sind, für den Bericht über die Gemeinderatssitzung im Internet zu bezahlen, wird sich zeigen. Sicher ist, dass die Verlage hier aber mehr tun müssen. Es genügt nicht, Meldungen eins zu eins von print in online zu übernehmen. Hier sollte noch ein Mehrwert generiert werden durch Statistiken, Animationen und Videos. Das ist personalaufwendig und teuer. Noch gibt es für Online-Leser selbst im Lokalen einfach zu viele Möglichkeiten, sich mit ein paar Klicks über andere Seiten noch kostenlos über das Thema zu informieren.

Zum Abschluss: Welche sind die Top 3 Don’ts (und Do’s) bei lokaler Pressearbeit?

Don’ts:
– In den Redaktionen mit Gesprächen mit Lokalchef, Chefredakteur, Verlags- oder Anzeigenleiter drohen
– Unzuverlässigkeit
– Werbende Formulierungen in den Pressemeldungen

Do’s:
– Zuverlässigkeit, Zurückhaltung
– ein Gespür für Nachrichten
– Qualität in Schrift, Form und Thema

Wenn ein Pressearbeiter von den Lokalredakteuren als kompetenter, zuverlässiger und seriöser Partner geschätzt wird, dann hat er (fast) alles richtig gemacht.