Der gestrige Montag, 19.4., wird in die Geschichte der deutschen Politik eingehen: erstmals haben die Grünen offiziell einen Kanzlerkandidaten vorgestellt – pardon: eine Kanzlerkandidatin. Annalena Baerbock wird die grüne Partei in den Bundestagwahlkampf führen – nachdem sie sich mit ihrem Teamkollegen und Mitbewerber Robert Habeck einvernehmlich und geräuschlos geeinigt hat, wer den Job nun machen soll. Eine historische Chance, wie auch der Tagesspiegel betont. Das Selbstbewusstsein für die Kandidatur ziehen die Grünen aus den hervorragenden Umfragewerten. Diese liegen seit Monaten stabil zwischen 20 und 25 Prozent, während die CDU als letzte verbliebene Volkspartei in den Umfragen schwächelt. Kein Wunder, dass die Grünen nun ihre Chance wittern. Denn die Umfragewerte der beiden Parteien deuten auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen hin. Und der politische Erfolg hat mehr denn je mit klarer und glaubwürdiger Kommunikation zu tun – unser Kernthema als PR-Agentur und eigentlich auch für Parteien eine Pflichtaufgabe.

Klare und glaubwürdige Kommunikation ist entscheidend

Wie man über eine transparente und gute Kommunikation Vertrauen aufbauen oder über ihr Nichtvorhandensein Vertrauen verspielen kann, zeigen CDU/CSU und Grüne par excellence. Auf der einen Seite hat sich das Grünen-Führungsduo Baerbock/Habeck in den vergangenen Monaten stark auf Inhalte fokussiert. Gleichzeitig haben die beiden in öffentlichen Statements unisono immer wieder klargemacht, dass die Kanzlerkandidatur in einem fairen Verfahren entschieden wird. Schon vor Wochen verkündete die Partei: am 19.4. wird die K-Frage entschieden und öffentlich verkündet. Und so kam es dann auch: Habeck ließ seiner Kollegin den Vortritt und unterstützt sie weiterhin zu 100 Prozent. Ganz transparent kommunizierten die beiden dann Ihre Argumente für die Entscheidung in einem Brief an die Partei.

Dauerhafter Streit und Uneinigkeit zerstören Vertrauen

Ein ganz anderes Bild sehen wir auf Seiten der CDU/CSU. Nachdem sich der Konkurrenzkampf zwischen Armin Laschet und Markus Söder soweit zugespitzt hatte, dass führende Unions-Politiker eine rasche Entscheidung öffentlich gefordert hatten, hieß es, dass bis Sonntag darüber entschieden würde. Nach einem nächtlichen Krisentreffen am Sonntagabend passierte: nichts. Auch am Montag trennten sich die Konkurrenten nach ergebnislosen Gesprächen. In der Nacht auf Dienstag drückte Armin Laschet schließlich die Kandidatur durch: „Laschets Gewaltakt“, so die Headline von Spiegel online heute morgen. Ob Söder deshalb aufgibt, ist weiter fraglich. Diese ungeklärte Frage heizt den Machtkampf weiter an, vermittelt aber auch eine verheerende Botschaft an die Wählerschaft: „Wir können und wollen uns nicht einigen“. Wem vertraut der Wähler damit mehr? Hier geht es nicht allein um Parteien und Programme. Das Vertrauen bekommt meiner Meinung nach derjenige, der klar und glaubwürdig kommuniziert, sich an Absprachen hält und Ruhe und Kontinuität vermittelt – gerade in Krisenzeiten, wie wir sie jetzt erleben. Hier haben die Grünen derzeit bessere Karten. Ob sie’s bis ins Ziel schaffen? Man darf gespannt sein auf den Wahlabend im September.