Storytelling: Unternehmens-Romane mit einer Mischung aus Fakt und Fiktion

Lost in Communication heißt der neue Roman der Ulmer ProzessPiraten. Darin erzählt Autor Emmanuel Losch auf spannende Weise den Werdegang der Kommunikationsagentur in der Magirusstraße 33 und deren Mitbegründer Adrian Dister. Dabei stellt sich die Frage: Ist das in der Realität der selbe Adrian Dister und wie kommt man auf die Idee, einen Roman über eine Firmengeschichte zu schreiben? Der Protagonist höchstpersönlich steht uns dazu heute Rede und Antwort im Interview.

Wie kam es dazu, dass man über das Gründungsmitglied, also Sie, einen Roman verfasst? 

Na ja, die Frage zu den Wurzeln unserer Agentur kommt ja immer mal wieder auf. Doch da ich diese 08/15-Firmenportraits zum Sterben langweilig finde, haben wir das bislang abgelehnt. Die Storytelling-Strategie der ProzessPiraten – also die Mutter aller Agenturen in der Magirusstraße 33 – hat dann die Lösung gebracht. Wir schreiben eine spannende und zugleich informative Geschichte über „unser Ding“– unabhängig davon gibt es wenig Menschen, die eine gute Story nicht schätzen.

Wie viel entdecken Sie von sich im Roman und womit hatten Sie zu kämpfen?

Die Frage wird oft gestellt und ich möchte soviel dazu sagen: Trotz einiger abstruser Begebenheiten hat der Roman durchaus autobiographischen Anspruch. Das heißt im Klartext, die Leser sehen den echten Adrian Dister, dessen Leben mit etwas fiktivem Wahnsinn angereichert wurde – ein Geschenk, das ich mir in meinem täglichen Leben manchmal auch gerne machen würde (lacht).

Hatten Sie bei den Interviews zu Ihrem Leben Aha-Momente?

Sicher doch. Durch die Arbeit an Lost in Communication konnte ich mich selbst in einem neuen Winkel betrachten und zwar in dem, den der Autor Emmanuel Losch definiert. Da überdenkt man dann doch manchen Aspekt der Vergangenheit neu. Das kann einen ab und an auch kalt erwischen.

Der Roman beginnt damit, dass Sie 74 Jahre alt sind und aus Ihrer Erinnerung erzählen. Stellen Sie sich so tatsächlich Ihre Zukunft vor?

Als kreativer Kopf lässt man sich oft Raum für Spontanität. Wer kann seine Zukunft schon planen? Frau und Kinder zu haben und vielleicht irgendwann Enkelkinder, das passiert oder eben nicht. Das Szenario im Prolog klingt nicht schlecht. Wenn mich aber der Rappel packt, dann kann es auch passieren, dass man mich mit einer Harley auf der Route 66 findet. Auch das wäre eine charmante Möglichkeit, meinen Lebensabend zu verbringen. Das Leben besteht aus genug Zwängen – gesellschaftsbedingt. Da finde ich es ganz gut, wenn man sich nicht immer das Hirn mit Eventualitäten vollstopft.

Welche der Geschichten über Sie müssen die Leser erfahren?

Ich denke, mein Weg zu Edre ist entscheidend. Nur soviel, es hat sicher etwas mit Janoschs „Oh wie schön ist Panama“ zu tun. Wir wollen aber nicht noch mehr spoilern. Sonst vergeht noch die Laune, weiterzulesen.

Wenn Sie sich in Stichpunkten beschreiben müssten, welche fünf Schlagwörter würden Sie verwenden?

Ungeduldig, neugierig, zielstrebig, sich selbst treubleibend, zu ehrlich – jeder dieser Aspekte kann in meiner Branche vorteilhaft und gleichzeitig auch anstrengend sein. Ich bin eben ein Störenfried, manchmal auch einfach ein Arsch. Und ich bins unheimlich gern.

Macht das die ProzessPiraten letztendlich so erfolgreich?

Unsere Arbeitsweise stützt sich auf das Dasein als Störenfried. Wir wollen unsere Kunden aus ihren gewohnten Strukturen herausnehmen und dazu bringen, ihre Produkte, Chancen und Risiken neu zu beleuchten. Ich will meine Kunden dazu bringen, ihre Identität zu hinterfragen und diese in den Mittelpunkt ihrer Markt- und Kundenstrategien zu stellen. Nur wer seine Identität genau kennt, ist glaubwürdig. Und nur wer glaubwürdig ist, kann sich am Markt behaupten. Ja, ich denke darum geht es. Man muss sich als Unternehmen behaupten, nicht rechtfertigen. Und das kann ich nur, wenn ich weiß, wer ich bin!

Thema Storytelling – welche Vorteile ergeben sich für Unternehmen wie dem Ihrigen mit dieser Marketingvariante?

Storytelling in Romanform ist ein sehr effektives Werkzeug, um die Geschichte eines Unternehmens auf unterhaltsame Art und Weise nach außen zu tragen. Das ist eine schmale Gradwanderung, denn durch schlechtes Marketing vieler Firmen – davon oft im Consumer-Bereich – sind kreative Unternehmensstories in die Kritik geraten. Die Kunst besteht darin, eine geniale Geschichte mit einem Hauch von Fiktion zu kreieren und zwar so, dass der Leser das sofort erkennt und sich nicht im Nachhinein für blöd verkauft, sondern gut unterhalten sowie informiert fühlt.

Ein Schlussplädoyer – LIC ist ein zukünftiger Bestseller, weil…

… weil gute Stories im Kopf bleiben. Kinder lieben Märchen. Jugendliche lieben ihre Soaps und Erwachsene stehen auf gut gemachte Blockbuster. All diese Medien bestehen aus Geschichten, im besten Fall innovative. Der Entertainmentfaktor entscheidet. Und der ist in Lost in Communication definitiv gegeben.