Ja, ich gebs lieber gleich zu: ich neige eher zu einem Wohnambiente, das die Wort-, Klang- und Bewegtbildrezeption beinahe oberstudienratsmäßig unterstützt. Also Platten, CDs, DVDs und Bücher in wandflächendeckender Weise. Denn als Teilzeit-Home-Officer sitze ich bei Online-Meetings am liebsten bequem auf dem Sofa. Dort lausche ich – Block, Stift und Tee in erreichbarer Nähe – den Ausführungen oder berichte aus meinen Aufgabenbereichen, während die anderen Teilnehmer mich dann vor Pflanzen, Maisonette-Treppe und … Bücherregalen sehen. Kurz: eine Szenerie, wie man sie ähnlich auch schon hundertfach bei TV-Interviews gesehen hat – dort aber vielleicht etwas professioneller, also sofalos mit Schreibtisch, Telefon und Aktenordnern. Womit ich schon bei meinem heutigen Thema wäre.

Egal ob via Zoom, Teams, Webex, Skype, Facetime usw. – bei fast allen habe ich die Wahl, ob ich vor dem real von der Kamera aufgenommenen Hintergrund, vor einem glasfensterartig verschwommenen, vor einem einmontierten Foto oder einer mehr oder wenig künstlerisch erstellten Grafik postiert aufgenommen werden will. Die von den Diensten zur Auswahl gestellten oder im Web zu findenden Szenen sind vielfältig. Sie reichen von coolen Büros und Schöner-Wohnen-Welten über alpine wie maritime Sehnsuchtsorte bis hin zu virtuellen Games-of-Thrones-Landschaften, die mitunter sogar animiert sind.

Bis die mir eigene Eitelkeit sich für die eingangs erwähnte Studienrat-Szenerie entschied, probierte ich selbstverständlich vorher einige aus. Auf Anhieb gefallen hat mir natürlich die Milchglas-Variante, die den Hintergrund in ein Ambiente taucht. Damit kann sich jede/r, die/der in Ulm lebt, sofort anfreunden, entspricht es doch dem hier oft herrschenden Norm-Wetter. Ich hingegen kann diesem Nebel auf Dauer nichts abgewinnen, zumal mich das auch an einblickverhüllende Vorrichtungen in Arztpraxen und Kliniken erinnert.

Was nun? Mich selbst am Esstisch vor dem Laptop sitzend aufnehmen? Oder vor einer weißen Wand? Oder vor dem Press’n’Relations-Logo bzw. -Firmensitz? Oder vor einem Foto, wie es Mitarbeiter eines unserer Kunden machen, die aktuelle Kampagnen-Motive verwenden? Natürlich verbietet es sich, bei beruflichen Online-Meetings allzu freizeitorientierte, witzige oder spielerische Hintergründe zu verwenden – mit Ausnahme vielleicht von Online-Game-Entwicklern. Daher probierte ich einige der kühlen und aufgeräumten Büro-Fotos aus, in denen ich mich als Agentur-Ältester mitunter aber etwas deplatziert fühlte. Dieser Eindruck künstlicher Einmontierung minderte sich etwas, als ich Fotos alter Bibliotheken oder herrschaftlicher Salons wählte. Obwohl ich das schon natürlicher fand, verwarf ich das schnell wieder. Mir wären nämlich auf Anhieb keine Verteidigungen oder Gründe eingefallen, die ich gegenüber Vorwürfen der Angeberei ins Feld hätte führen können.

Und so entschloss ich mich bei Home-Office-Teilnahmen an Online-Meetings für das reale Sofa-Ambiente. Welcher Hintergrund geeignet ist, sollte aber wohl jede/r selbst entscheiden. Vorgefertigte Hintergründe haben natürlich den Vorteil, dass die anderen Teilnehmer nichts über die privaten Arbeitsraum- bzw. Wohnverhältnisse erfahren. Aber da die meisten Online-Meeting-Tools oft nur eine unzureichende automatische Gesichts- bzw. Kopf-Erkennung im Einsatz haben, erscheinen an den Rändern von Kopf und Körper meist unschöne Effekte. Werden dann etwa Kopfhörer zur Vermeidung von Rückkopplungen eingesetzt, führt das zu recht dynamischen Frisurschwankungen oder zu Alien-artigen Erscheinzungen. Also bitte vorher ausprobieren! Wer weitere Tipps und Tricks sucht, möge im Internet einfach nach »Hintergründe für Online-Meetings« suchen.