time to say goodbye

Apple hat auf seiner Entwicklerkonferenz WWDC im Juni eindrucksvolle Zahlen über seinen App Store veröffentlicht. Beispielsweise wurden in den fünf Jahren seit dem Bestehen insgesamt über 50 Milliarden Apps für die iOS-Betriebssysteme des iPhone und iPad geladen. Aktuell finden sich dort 900.000, davon sind alleine 375.000 nur für das Tablet. Angesichts des breiten Angebots über alle Genres hinweg gibt es für jede Nische (mindestens) eine Anwendung. Dieser Umstand hat auch mein Nutzerverhalten verändert: Ich „konsumiere“ Apps in einer anderen Weise als früher.

Am besten erkläre ich das mit einem Beispiel aus der Praxis und drehe dazu das Rad der Zeit etwas zurück. Im Mai dieses Jahres war ich gemeinsam mit meinem Kollegen Bruno Lukas im Auftrag unserer Kunden auf der „transport logistic“ in München unterwegs. Das ist eine kleine, feine Messe mit über 2.000 Ausstellern und rund 53.000 Fachbesuchern. Während mein Kollege seine Termine, Kunden und ihre Messestände auf einer ausgedruckten Excel-Liste eingetragen hatte, benutzte ich dafür die von der Messe München bereitgestellte App – ohne groß darüber nachzudenken.

Schließlich bot mir die Anwendung viele Annehmlichkeiten und Vorzüge gegenüber einer ausgedruckten Liste: Neben meinen Terminen erhielt ich beispielsweise auch eine Übersicht über alle Aussteller, die Hallenbelegung sowie die weiteren Veranstaltungen auf der Messe – inklusive wertvoller Zusatzinformationen wie Presseinformationen, Profile und Kurztexte direkt in der App. Dank einer komfortablen Suchfunktion bestand sogar die Möglichkeit, sich mittels einer GPS-Wegführung direkt zu einem Stand lotsen zu lassen (wer die Messe München kennt, lacht jetzt). In der Summe war die App jedenfalls so gut, dass ich sogar Geld dafür bezahlt hätte. Sie war jedoch für alle Besucher kostenlos für iOS und Android erhältlich. Nach Abschluss meines Besuchs löschte ich sie daher wieder von meinem Smartphone – wieder ohne groß darüber nachzudenken.

Stutzig wurde ich erst, als mich mein Kollege halb im Spaß darauf ansprach: Wie ich denn moralisch damit zurecht komme, dass ich eine kostenlose App, mit der ich zufrieden sei, so einfach wieder lösche, ohne mich irgendwo dafür zu bedanken. Gute Frage, entgegnete ich. Denn für mich fiel die Anwendung klar in die Kategorie der „Einmal-und-nie-wieder-Apps“, wie ich sie nenne. Das ist nicht abschätzend gemeint, schließlich wurde diese Anwendung nur für einen einzigen Einsatzzweck entworfen: Sie sollte einen Besucher beim Aufenthalt auf dieser Messe so gut es geht unterstützen – und diesen Anspruch erfüllte sie in perfekter Weise. Spätestens zur nächsten Veranstaltung erscheint ja sowieso eine neue und wiederum speziell auf ein bestimmtes Event zugeschnittene Version.

Aber natürlich hatte mein Kollege Recht, denn die App ersparte mir wirklich einiges: die Eingabe meiner Termine in eine Excel-Liste (alleine das ist schon unbezahlbar), aber natürlich auch das Ausdrucken, Sortieren und Herumtragen. Deswegen an dieser Stelle noch einmal ein herzliches „Dankeschön“ nicht nur an die Messe München, sondern an alle Anbieter kostenloser Software, die ihre Anwendungen mit viel Mühe und Liebe zum Detail programmieren. Ich freue mich jetzt schon auf die nächste Gelegenheit, bei der ich wieder eine „Einmal-und-nie-wieder-App“ (be)nutzen darf und werde diese sicherlich nicht nur meinen (noch) mit Papier arbeitenden Kollegen weiterempfehlen.