Am 1. Oktober 2018 betrat ich das erste Mal das kleine gelbe Haus in der Magirusstraße in Ulm, stieg die Treppe in den ersten Stock hinauf und setzte mich an den Schreibtisch. Hätte man mir damals gesagt, dass ich ein Jahr später immer noch dort sein würde, ich hätte wohl gelacht. Und doch sitze ich jetzt hier, etwas mehr als 365 Tage später. Ein Jahr Press’n’Relations, vier Monate als Praktikant, acht als Werkstudent. Über 50 Wochen voller Presseinformationen, Fachartikel, Anwenderberichte, Social-Media-Posts – und der ein oder anderen Pizza.

Mehr Arbeit, weniger Stress

Selbstverständlich hat sich in dieser Zeit einiges verändert, allem voran der Schreibtisch. Vom Praktikantenplatz zog ich an einen eigenen Tisch: eigener Computer, eigenes Telefon und Ausblick auf die Straße inklusive (5/5 Sterne, gerne wieder). Auch die Arbeitszeiten sehen inzwischen deutlich anders aus. Während sich das Praktikantendasein im Rahmen einer klassischen 40-Stunden-Woche abspielte, darf der Werkstudent maximal halb so lange arbeiten, das Studium soll ja schließlich nicht vernachlässigt werden. Kürzer zu arbeiten bedeutet aber keineswegs weniger zu arbeiten. Aufgaben, für die ich mir vorher einen oder zwei Tage Zeit lassen konnte, erledige ich heute in wenigen Stunden. So steigt natürlich die Produktivität beim Schreiben und inzwischen entsteht in der Hälfte der Zeit das Doppelte an Output.

Auf den ersten Blick mag das womöglich nach mehr Stress klingen – das Gegenteil ist aber der Fall. Als Praktikant kommt man regelmäßig in die Situation, alle Aufgaben erledigt zu haben und jeden Kollegen bereits mehrmals mit Fragen nach neuer Arbeit genervt zu haben. Wenn es dann aber noch zwei Stunden bis Feierabend sind, kann man auch nicht guten Gewissens gehen. Also sitzt man an seinem Rechner und versucht beschäftigt zu wirken. Eine, zumindest für mich, stressige Situation. Im Gegensatz dazu habe ich nun so gut wie immer etwas zu tun und weiß jederzeit, was als nächstes ansteht.

Neue und alte Aufgaben

Mit der neuen Rolle im Team wuchs aber nicht nur das Arbeitspensum, mir wurde auch mehr Verantwortung übertragen. Stellte als Praktikant etwa eine gelegentliche Mail oder ein Telefonat das Maximum an Kundenkontakt dar, schickt man mich heute auch einmal alleine zur Recherche für einen Anwenderbericht. Das mag zuerst trivial klingen. Doch es zeigt, dass die Kollegen mir vertrauen, Press’n’Relations angemessen zu vertreten.

Denke ich an die Hauptaufgaben im Praktikum zurück – Clippings scannen, Rechnungen einsortieren und Co. – wird der Kontrast zu heute noch deutlicher. Damit möchte ich aber auf keinen Fall meine damalige Arbeit schlechtreden. Ganz im Gegenteil, ich habe in dieser Zeit viel gelernt und erinnere mich gerne daran. Und wird die Nostalgie einmal zu groß, rufe ich mir ins Gedächtnis, was für ein Kampf das Scannen von großen Magazinen und Tageszeitungen ist. Schlagartig ist jeder Wunsch, selbst mal wieder den Kopierer zu bedienen, verflogen.

Ein kulinarischer Schicksalsschlag

Nach so viel Lob muss aber natürlich auch etwas Kritik sein. Für die Zeit meines Praktikums und in den ersten Monaten meiner aktuellen Tätigkeit war der alle zwei Wochen stattfindende Jour Fix am Freitag eine feste Größe. Schon morgens kam ich mit einer Extraportion Elan ins Büro, die mittägliche Pizza dabei immer in meinen Gedanken. Öffnete sich dann die Schachtel im Party-Format, gab es kein Halten mehr: Vier Sorten Käse und Peperoni. Pures Glück.

Aber nichts hält ewig und selbst diese Mittagspausen-Institution stellt hier keine Ausnahme dar. Vor einiger Zeit wurde der Jour Fix auf Montag verlegt, einen der zwei Tage, an denen ich nicht im Büro bin. Auch wenn ich die Gründe hinter dieser Entscheidung voll und ganz nachvollziehen kann, trifft sie mich doch schwer. Ganz plötzlich und ohne Vorwarnung wurde mir das italienische Gold entrissen. Um den Verlust zu verarbeiten, bestelle ich mir nun freitags nach der Arbeit selbst eine Pizza und erzähle mir, an welchen Projekten ich gerade sitze. Doch es ist einfach nicht dasselbe.

Der Volksmund sagt bekanntlich „Die Zeit heilt alle Wunden“ und auch in diesem Fall wird das sicherlich irgendwann so sein. Bis dahin müssen wohl interessante Arbeit, nette Kollegen und therapeutische Blogbeiträge genügen.