unPodcasts werden ziemlich erfolgreich von Hörern und Hörerinnen gefeiert und es scheint fast so, als hätte uns urplötzlich ein „brandheißes“ Medium erreicht. Nur ein kurzer Rückblick in meine Kindheit reicht, um dem aufgeblasenen Hype etwas die Luft abzulassen. Damals war es mir ziemlich egal, welche Kassette im Rekorder landete. Sobald die Playtaste gedrückt war, tauchte ich ein in die Welten von Bibi Blocksberg, Benjamin Blümchen oder wem auch immer. Zwar ist ein Podcast keine Kurzgeschichte, wie die aus meiner Kassettensammlung. Doch haben die beiden eine Verbindung: und zwar gutes Storytelling. Denn auch ein Podcast muss Zuhörer abholen, einen Spannungsbogen aufbauen und den Zuschauer oder Hörer in irgendeiner Weise in das Erzählte einbinden. Die „ach-so-neue-Erzählmethode“ ist nichts weiter als – gutes Storytelling – eine mit rhetorischen und sprachlichen Mitteln aufgebaute Geschichte, die einen individuellen Mehrwert für die Hörerschaft bietet. Mit den gleichen Mitteln haben mich Bibi und Benjamin damals auch gekriegt.

Was genau unterscheidet einen Podcast von klassischen Medien?

Früher musste die Kassette umgedreht und der Play-Knopf gedrückt werden – heute sind es ein paar Klicks und nennt sich ‚on demand‘. Bedeutet, ein Podcast kann jederzeit völlig frei von festen Sendezeiten gehört oder heruntergeladen werden, wie es klassische Medien – Radio und TV – normalerweise nicht bieten. Ein Hörpodcast basiert auf einer ganzen Reihe unterschiedlicher Episoden aus dem gleichen Fachgebiet – ähnlich wie eine Serie. Das und gleichzeitig die facettenreiche Themenauswahl machen das Format heute so interessant. Mittlerweile gibt es möglicherweise zu jedem Thema einen individuellen Podcast: Business, Technologie, Politik, Kultur, Sport oder was auch immer. Wir bekommen super leicht und schnell – ohne große Umwege – genau die Informationen, die wir uns wünschen.

Podcasts sind zielgruppenspezifisch und setzen gute Recherche, Moderationskenntnisse und ganz wichtig – ‚Storytelling‘ voraus. Diese Konstruktion ermöglicht es Sprechern und Sprecherinnen – meistens Experten auf einem Gebiet – teilweise thematisch so in die Tiefe zu gehen, dass der Spannungsbogen in der Erzählung für die Zielgruppe auch über mehrere Episoden nicht in sich zusammenfällt. So ist aus Radiosendungen, Hörbüchern und Video- oder Kurzgeschichten ein agiles und User-freundliches Format entstanden.

Podcasts und Gefühle

Für die meisten ist der Podcast eine angenehme Möglichkeit, Informationen ganz nebenbei aufzunehmen – sei es beim Essen, Radfahren, in der Bahn oder kurz vor dem Einschlafen. Podcasts füllen Momente der gefühlten Unproduktivität. Momente, die wir sonst mit uns selbst und unseren Gedanken verbringen müssten. Das soll nicht heißen, dass Podcasts per se schlecht sind. Podcasts bereichern ungemein, sie machen Spaß und helfen dabei, ein Thema durch und durch zu beleuchten ohne großem Aufwand zu betreiben. Teilweise ersetzen sie sogar den ein oder anderen Workshop und erweitern nebenbei noch den eigenen Horizont. Zwar macht es einem die Riesenauswahl manchmal wirklich nicht leicht, den passenden Stream auf Anhieb zu finden. Wer jedoch dranbleibt und in verschiedene Streams reinhört wird nach einer Weile auch belohnt. Naja, und wie es eben bei all diesen Medien ist, können auch Podcasts wertvolle Lebenszeit rauben.

Spotify und Podcasts

Die Musikstreaming-Plattform hat in meinen Augen Podcasts erst so richtig groß gemacht. Als Premium-Mitglied wäre ich wohl kaum ohne Spotify auf Podcasts gekommen, genauso wenig würde ich sie heute streamen. Die Einflussnahme fand schleichend statt. Auf einmal waren einige wenige Podcasts online, es wurden immer mehr und aktuell werden sie mir sogar – anhand meiner Hörgewohnheiten – personalisiert vorgeschlagen. Fest steht, der Streaming-Dienst arbeitet akribisch daran, das Angebot noch weiter auszubauen, um Hörer so lange wie möglich auf der Plattform zu halten. Faszinierend an Podcast-Streamings ist vor allem die große Akzeptanz der User gegenüber platzierter Werbung. Man kennt es ja vom Fernsehen oder Radio, wie nervtötend Werbung sein kann. Die Unterbrechungen scheinen aber nur sehr wenige beim Hören eines Podcast zu stören, wovon der Streamingdienst und selbstverständlich auch Werbetreibende im hohen Maß profitieren. Beispielsweise ist der Umsatz von US-Podcasts durch Werbeeinnahmen im Jahr 2018 zum Vorjahr um über 50 Prozent gestiegen. Dieses Ergebnis macht sehr deutlich, welches Potenzial für Marketing- oder PR-Profis in Podcasts steckt. Podcasts gewinnen zunehmend an Relevanz und sollten langsam, aber sicher auch in Kommunikations-Maßnahmen von Unternehmen auftauchen.