Montag früh, 9 Uhr. Ein typisches Telefonat mit einem meiner
Kunden, kurz vor einer wichtigen Presseaussendung. Ich fordere noch Unterlagen
an, die den Journalisten bei Bedarf noch nachgereicht werden sollen. Mein Kunde
sichert mir das Material zu: „Ich schicke Ihnen die Präsentation gleich per
Mail – und die Bilder erhalten Sie per WeTransfer zum Download“. Ok, wunderbar,
dann kann ich den Versand der Pressemitteilung auf den Weg bringen. „Für unsere
Nachbesprechung habe ich einen Skype-Termin angesetzt. Ich bin jetzt dann im
Meeting. Wenn es etwas Dringendes gibt, schicken Sie mir eine What’s App.“

Newsrooms und What’s App sind der neue Standard

Gut zu wissen, dass ich meinen Kunden erreiche, insbesondere
dann, wenn wir sensible Themen an die Medien kommunizieren und ich bei
Rückfragen meinen Ansprechpartner im Unternehmen zeitnah erreiche. Die
Digitalisierung und Kommunikationstechnik eröffnet uns heutzutage
Möglichkeiten, an die vor Jahren noch nicht zu denken war. Ich habe im Jahr 2004
mit der PR-Arbeit begonnen. Damals war es noch üblich, Presseinformationen
auszudrucken und per Post an die Medien zu schicken. Bis zu 600 Briefe am Tag
gingen an die Medien bundesweit. Mit der Business-E-Mail wurde der Versandweg
schneller und einfacher. Heute gibt es digitale Newsrooms mit
Download-Portalen, Video-Konferenzen, Chat-Bots und die What’s App als
Standard-Kanal für die Echtzeit-Kommunikation.

Nach wie vor hoch im Kurs: Das persönliche Gespräch

Das ist alles wunderbar, und ich schätze die
Errungenschaften der Kommunikationstechnik sehr. Die digitalen Tools sparen
Geld, Zeit und sorgen für Transparenz und schnelle Abstimmungsvorgänge. Nur
können sie eines nicht ersetzen: das gute alte persönliche Gespräch – mit den
Kollegen, mit Journalisten und mit unseren Kunden. Ich bin der Meinung, dass
dieses vertrauensvolle Gespräch unter vier Augen niemals zu ersetzen sein wird
– egal wie ausgereift die Kommunikationstechnik ist und sein wird. Denn es geht
dabei um viel mehr, als um den Austausch von Informationen. Es geht darum, sein
Gegenüber im Gespräch ganzheitlich wahrzunehmen – mit seiner Gestik, Mimik, mit
seiner ganzen Körpersprache, mit den eindeutigen und manchmal auch eher
subtilen Signalen und Botschaften, die er sendet. Ein „OK, wir machen das“ mit
gleichzeitigem Stirnrunzeln sendet eben widersprüchliche Signale. Dann weiß
ich: hier gibt es noch Gesprächsbedarf, auch wenn wir das geplante Projekt auf
den Weg bringen können. Diese subtilen Hinweise kann ich nicht wahrnehmen, wenn
ich mich nur auf Telefonate, Mails und What’s App verlasse.

Vertrauen und Wertschätzung

Und es geht beim persönlichen Gespräch auch um weit mehr als um Business-Themen. Denn mein Gegenüber will nicht nur als Auftraggeber und Inputgeber wahrgenommen werden, sondern als Mensch. Als Mensch, der auch ein Privatleben hat, mit all den Freuden und Sorgen, die jeden von uns im Alltag begleiten. Und wenn man sich länger kennt und die Beziehung von Vertrauen und Wertschätzung geprägt ist, kann man sich bei einem Bier am Abend auch mal über Urlaub, Hobbies und das Familienleben unterhalten. Das stärkt die Bindung und hilft in Situationen, in denen das Kunden-Dienstleister-Verhältnis mal nicht so „rund läuft“. Denn Kommunikation findet nicht zwischen Unternehmen statt, sondern von Mensch zu Mensch. Dessen sollten sich Kommunikatoren immer bewusst sein  – What’s App und Skype hin oder her: Am Ende zählt immer der Mensch.