Als ich meinen letzten Blogbeitrag verfasste, war es gerade ein Jahr her, dass meine Zeit bei Press’n’Relations begonnen hatte. Selbstverständlich nutzte ich diese Gelegenheit, den freudigen Anlass zu einem Text zu verarbeiten. Nun, einige Wochen später, steht ein weiteres Jubiläum kurz bevor – meine zweite Weihnachtsfeier. Sparsam und effizient, wie man als Schwabe nun mal ist, soll auch dieser Jahrestag nicht ungenutzt verkommen. Außerdem, wann gäbe es eine bessere Vorlage, um einmal über Weihnachtsfeiern im Allgemeinen nachzudenken?

Nur ein Betriebsfest?

Als gelernter Historiker wandert mein Blick hier natürlich direkt in die Vergangenheit: Woher kommt die Tradition der beruflichen Weihnachtsfeier? Wann wurde die erste veranstaltet? War „sich alkoholisiert vor den Kollegen blamieren“ schon immer zentraler Bestandteil der Tradition? Recherchiert man im Internet nach den Hintergründen der Firmenweihnachtsfeier, macht sich jedoch schnell Ernüchterung breit. Wikipedia leitet einen direkt auf den allgemeinen Artikel zum Thema „Betriebsfest“ um. Dieser ist sagenhafte acht Zeilen lang und beinhaltet bahnbrechende Informationen wie „Manchmal findet das Betriebsfest gemeinsam mit den Familienangehörigen statt.“  Na herzlichen Dank. Bezeichnenderweise gibt es diesen Artikel aber ausschließlich in der deutschen Version der Wikipedia. Womöglich ein Indiz dafür, dass die Weihnachtsfeier ein rein teutonisches Phänomen ist? Andererseits fällt es mir schwer zu glauben, dass nur deutsche Arbeitnehmer sich von gutem Essen und Gratisgetränken überzeugen lassen.

Zwei, drei, viele Weihnachtsfeiern

Wenn uns also das World Wide Web nicht weiterhelfen kann und wir (ich) keine Lust auf eine aufwändige Literaturrecherche nach wissenschaftlichen Standards haben, muss es wohl unsere Vorstellungskraft richten. Wie könnte es also damals, vor langer Zeit, zur ersten betrieblichen Weihnachtsfeier gekommen sein? Hatte womöglich ein Ludwig-Erhard-scher Wirtschaftswunderboss in den 50ern zwischen zwei Zigarren die Idee? Oder doch ein Monokel-tragender Fabrikbesitzer im späten 19. Jahrhundert, der hoffte, damit seine Arbeiter zu beschwichtigen? Vielleicht müssen wir aber auch viel weiter zurück. Mit Sicherheit gab es auch rauschende Weihnachtsfeiern für das Dienerheer in Versailles. Und wenn genug Rotwein floss, setzte sich bestimmt auch Ludwig XIV. mal mit nacktem Hintern auf den Kopierer…oder so ähnlich.

Erkenntnisse am Glühweintopf

Die Geschichte verwehrt uns wohl brauchbare Antworten. Halb so schlimm, es gibt ja noch die Gegenwart. In eben dieser rangieren die weihnachtlichen Firmenevents irgendwo zwischen gediegenem Abendessen und maßlosem Besäufnis in der örtlichen Mehrzweckhalle. Zu welchem der beiden Extreme die jeweilige Belegschaft tendiert, hängt von diversen Faktoren ab. Wie viele Personen, welche Abteilung, welche Branche, etc. Alle Weihnachtsfeiern haben aber einen gemeinsamen Kerngedanken, einen moralischen Anker, wenn man so möchte: einfach mal ohne den Stress des Arbeitsalltags Zeit mit den Kollegen verbringen. Denn außerhalb des Büros, mit einem guten Glas Wein in der Hand, da fällt einem dann vielleicht plötzlich auf, dass Erika aus der Buchhaltung doch gar nicht so fürchterlich ist. Und der Chef, man mag es kaum glauben, hat tatsächlich andere Interessen als die Quartalszahlen. 

Meine persönlichen Erfahrungen mit betrieblichen Weihnachtsfeiern halten sich noch in Grenzen. Ein einziges Mal und dann auch noch in einem Unternehmen, das sicherlich nicht repräsentativ für die Situation der Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer ist. Hier kannte man sich schon vor der Feier, alle verstanden sich gut und niemand gab sich im Restaurant die Kante (keine Haftung für alles was danach passierte). Anekdotische Evidenz!”, ruft da der Akademiker in mir. Stimmt, aus so einem positiven Einzelfall sollte man keine Schlüsse ziehen. Aber glücklicherweise muss ich das auch gar nicht. Denn trotz allem Interesse am Thema – am Ende bin ich eben kein Anthropologe mit Betriebsfest-Obsession, sondern Mitarbeiter bei Press’n’Relations. Und als solcher mit dem State of the Weihnachtsfeier mehr als zufrieden.