Auf den Sommer mussten dieses Jahr ja viele von uns lange warten. Und kaum hatte er begonnen, war er auch schon wieder vorbei. Das war in Ulm nicht anders als in Zürich oder den anderen Städten, in denen die Kollegen von den Press’n’Relations-Standorten sich Petrus’ Launen beugen mussten. Mitte Juli war ich kaum aus meinem Urlaub zurück, als der Sommer sich endlich von seiner besseren Seite zeigte – und ich eine Reise nach Ulm unternahm.

ProzessPiraten stellen sich vor
Am 27. Juli setzte ich mich deshalb frühmorgens in Zürich in den Zug. Die Strecke nach Ulm kenne ich mittlerweile gut – allerdings bin ich noch nie im Sommer mit der Schwäbischen Eisenbahn gefahren. Um es kurz zu machen: Der Sommer muss ein Deutscher sein, denn irgendwann nach der Grenze stieg er ein und machte sich temperaturtechnisch im ganzen Abteil äußerst intensiv bemerkbar. Weshalb ich mitten im Hochsommer an den Hauptsitz von Press’n’Relations gefahren bin? Die Kollegen von den ProzessPiraten haben sich in den Monaten zuvor neu formiert und positioniert und stellten sich und ihre Vorstellungen von idealem Marketing vor. Und die aus allen Niederlassungen angereisten PnRler kriegten was auf die Ohren – gleich in zweifacher Hinsicht.

Provokante Thesen und ein Roman
Unter anderem stellten die Piraten verschiedene provokante Thesen auf, zum Beispiel, dass gutes Marketing zu Orientierungslosigkeit, Selbstentfremdung und Innovationshemmung führe. Oder überraschten uns mit deutlichen Aussagen wie „Gut ist der diplomatische Bruder von Scheiße“. Statt gutes Marketing zu machen, solle man Störfelder im Kopf zulassen und sich statt aggressiver Markt- und Kundenorientierung auf die eigene Identität konzentrieren. In gewisser Weise wollen sich die ProzessPiraten wieder auf ihre Anfänge zurückbesinnen, als sie noch als Störenfriede in den Marketingabteilungen auftauchten und so neue Ideen entstehen konnten. „Back to the Roots“ war auch das Beispiel eines neuen Produkts, das unsere Marketingkollegen der Unternehmensgruppe im Angebot haben: Den Roman – und damit die Frage, weshalb man nicht einen Roman über seine Firma schreiben lassen sollte, statt eine weitere Anzeigenkampagne zu schalten. Das erste Kapitel von „Lost in Communication“, unserem eigenen Roman, brachte schließlich der begnadete Schreiber und ProzessPirat Emmanuel Losch zu Gehör.

10622789_855000367853007_3132637683757004327_nAls PR-Agentur an einer Marketingmesse
Ende August stand dann einmal mehr unser Auftritt bei der Suisse Emex, der größten Schweizer Marketingmesse auf dem Programm. Dieses Jahr habe ich gemeinsam mit Uwe Pagel einmal mehr erlebt, wie aufregend ein solches Vorhaben sein kann – angefangen bei den Tücken des Standbaus und der Qualitäten der Standbauer bis hin zur täglichen Frage, welche Art Besucher wir wohl als nächstes begrüßen dürfen. Ob sich der Aufwand, als einzige PR-Agentur an der Messe aufzutreten, gelohnt hat, wird sich erst in den nächsten Monaten zeigen. Bis jetzt sieht es schon mal gar nicht schlecht aus – einige Aufträge von dort generierten Neukunden konnten wir bereits umsetzen.

Berlin, wir kommen!
Wieder einen Monat später, Ende September verschlug es mich und drei der Ulmer Kollegen nach Berlin zum Kommunikationskongress. Florian Fischer von PressFile Europe hatte dort im Messebereich im Foyer einen Stand, und Uwe Taeger, Julia Kück und ich konnten uns voll dem Kongressprogramm widmen. Mir sind davon neben Bildschirmfoto 2014-12-12 um 12.07.53diversen anderen interessanten Vorträgen vor allem zwei Referate besonders in Erinnerung geblieben: zum einen die Keynote von Roger Willemsen, der darüber sprach, wie es sich über die Kunst des Streitens in der Mediengesellschaft verhält und unter anderem aufzeigte, wie auf beunruhigende Weise – auch durch die digitalen Medien – das Ressentiment die qualitative Kritik ablöst. Die Ansprache des Ethnologen war für viele wohl ein anspruchsvoller, aber auch unterhaltsamer Auftakt zu der zweitägigen Veranstaltung. Zum anderen beeindruckte mich das Referat des Obama-Wahlkämpfers Julius van der Laar, insbesondere die Aspekte der in den USA viel aktiver FullSizeRenderfür die Politik genutzten Möglichkeiten der Sozialen Medien.

Das auf den Kongress folgende Wochenende verbrachte ich noch mit einem Freund in Berlin, dieser immer wieder von Neuem aufregenden Metropole. Das Wetter änderte übrigens gnädigerweise rechtzeitig von nebligem Spätsommer auf goldenen Frühherbst.