Der Beruf des Redakteurs ist vielseitig, spannend und kreativ. Bei der Arbeit wird geredet, gemurmelt, gelacht und auch gerne mal geschimpft. Selbst der theatralische Seufzer darf in der Geräuschkulisse eines Schreiberlings nicht fehlen. Es gibt jedoch auch Laute, die unsere Schweißdrüsen auf Hochtouren bringen. Kurzsilbig und phonetisch unauffällig verteilen sich ihre Schallwellen zunächst kaum wahrnehmbar im Raum, nur um dann von destruktiv aggressiven Klängen überblendet zu werden. Zuerst ein leises „ups“ gefolgt von wütendem Hämmern auf der Tastatur. Fantasievolle Wortkreationen – oft im Bereich der Froschlurche beheimatet – verkünden in der Folge die Ankunft des IT-Beelzebubs: dem Regenbogenkreis. Jetzt gilt es, schnell zu handeln und die IT-Retterin anzurufen.

Ich denke es gibt wenige Durchwahlen, die jeder von uns im Kopf hat, doch das Zahlenpaar unserer Kollegin Marta Wojtowicz gehört sicher dazu. Bewaffnet mit tröstenden Worten, einem sanften Lächeln und kreativen Lösungsvorschlägen tritt sie immer dann auf den Plan, wenn ein (wirklich wichtiges) Dokument in Auflösung begriffen ist, der E-Mail-Account nur noch leise röchelt oder besagter Regenbogenkreis den Absturz eines Programms bezeugt. Sie bleibt stets freundlich und hilfsbereit – egal ob es sich um ein ernstes EDV-Problem handelt oder um ein nicht eingestecktes Stromkabel.

Unsere IT-Retterin in der Not ist jedoch nicht nur für schwerwiegende Hardware-, Software- und Nerven-Störungen zuständig. Als technisch begabtes Mädchen für alles hat die gebürtige Polin ein anspruchsvolles Aufgabenspektrum zu bewältigen: von der IT-Adminstration unserer PR-Software PressFile über HelpDesk-Aufgaben und Schulungen bis hin zur Bearbeitung voluminöser Excel-Listen. Bei all der Arbeit zuckt sie selbst dann nicht zusammen, wenn IT-Jobs mit Abenteuer-Charakter ihren Weg kreuzen – etwa die spontane Umstellung der gesamten Mail-Infrastruktur auf eine neue technologische Plattform.

Der Alltag unseres EDV-Käpseles ist also recht anstrengend. Und so ist es verständlich, dass Martas Freizeit in Kopf und Herz wo ganz anders stattfindet. Ihre Leidenschaft gehört dem Land der aufgehenden Sonne. Für uns Ahnungslose birgt diese Begeisterung ein unerschöpfliches Potenzial an tollen Gesprächen. Als bekennender Opern-Fan sind für mich die „exotischen“ Streifzüge durch die japanische Musikszene besonders reizvoll. Wer jetzt denkt, es handle sich um traditionelle, beruhigende Klänge, liegt vollkommen falsch. Marta steht auf das moderne Zeug – wurscht ob Elektro, Pop oder Metal. Ihre Lieblingsband heißt übrigens „DIR EN GREY“, eine 1997 gegründete japanische Band aus Ōsaka, die häufig als Visual-Kei-Band bezeichnet wird (Wikipedia lässt grüßen. Ich bin raus.). Auch die japanische Küche ist auf Martas Speisezettel fest verankert. Ganz vorn mit dabei ist „Okonomiyaki“, übersetzt: „Das Gebratene, das man möchte“. Bei genauerer Betrachtung ist Okodingsbums wie Pizza aus der Pfanne. Wer nun Tomaten, Käse und Basilikum erwartet, hofft vergebens. Der asiatische Fladen besteht aus Chinakohl, einer speziellen Sauce, Fischflocken, Nori-Blättern und japanischer Mayonnaise. Ah, ok. Lecker. Natürlich beschäftigt sich Marta auch mit der japanischen Sprache. In den vielen Unterrichtsstunden an der Ulmer Volkshochschule taucht sie bis zu den Haarspitzen in die Welt der Schriftzeichen ein, mit dem Ergebnis: Eigentlich ist japanisch ganz einfach. Hmpf. Was für mich nicht nachvollziehbar klingt, erklärt meine Lieblings-IT-Fachfrau so: „Es gibt nur drei verschiedene Schriftarten, von denen zwei – Katakana und Hiragana – ganz einfach zu lernen sind und von allen Schulkindern geschrieben werden. Deutlich kniffliger gestaltet sich die dritte Schriftart ‚Kanji’. Hier musst Du aufpassen, denn es gibt zigtausend Möglichkeiten, die einzelnen Zeichen zu kombinieren. Ein ‚Hallo wie geht’s dir?’ kann schnell zu ‚Alter, dein Mülleimer brennt’ werden“. Ich verstehe. Es ist Vorsicht geboten. Sollte ich in naher Zukunft eine Reise nach Japan unternehmen, werde ich mich von Marta ausführlich schulen lassen. Ach ja, ganz vergessen – selbstverständlich lässt Marta ihren Worten auch Taten folgen. Den Frühlingsurlaub hat sie dieses Jahr in Tokio verbracht. In diesem Sinne: Sayounara – übersetzt: Alter, isch hau jetzt ma ab.