Jemand, der zuhört: Mein Loblied auf das Diktiergerät

Es kommt schon mal vor, dass mich einige Kollegen belächeln, wenn ich von Zeit zu Zeit auf der Suche nach Batterien vom Typ AAA durchs Büro sause oder mich für einen Nachmittag mit Kopfhörern an meinem Arbeitsplatz verschanze. Doch diesbezüglich bin ich über jeden Zweifel erhaben. Denn es gibt ein Werkzeug, das ich keinesfalls missen möchte. Ich liebe und brauche mein Diktiergerät.

Egal ob Anwenderbericht, Fachartikel oder Presseinformation: Wenn ich meinen jeweiligen Ansprechpartner telefonisch oder face-to-face zu einem für mich komplexen Thema befrage, ist die „Rec“-Taste (natürlich nach vorheriger Absprache) stets gedrückt. Dieser Spleen begleitet mich seit den Anfängen meiner Redakteurskarriere. Ich kriege rote Flecken, wenn kurz vor knapp etwas nicht funktioniert.

Daher bin ich inzwischen dazu übergegangen, mich doppelt abzusichern und lasse neben dem eigentlichen Diktiergerät auch noch eine entsprechende App auf dem Pad oder Smartphone mitlaufen. Liegt vielleicht daran, dass es in mittlerweile fast zehn Jahren bei Press’n’Relations doch schon zwei traumatisierende Ausfälle gab – das erste Mal ganz am Anfang, bei einem Anwenderbericht.

Lessons learned

Ich war vor Ort bei einem großen Energieversorger, der mit Unterstützung meines Kunden seine IT-Strukturen neu geordnet hatte. Feinste Praxisinformationen, unverblümt serviert auf dem Silbertablett von einem namhaften Unternehmen – der Traum eines jeden Journalisten. Doch schon auf der Zugfahrt nach Hause löste sich meine Euphorie in Wohlgefallen auf. Wie ich es auch drehte und wendete, dem silbernen Zauberkästchen war kein Mitschnitt des zweistündigen Gesprächs zu entlocken. — Panik! —

Nach Abwägung verschiedenster Optionen – von der (doch eher unprofessionellen) Bitte um Wiederholung des Gesprächs bis hin zur (auch nicht wirklich verhältnismäßigen) Lösung durch Freitod oder Identitätswechsel – gab es schließlich nur einen Ausweg: Sofort losschreiben, solange die Information noch im Hirn präsent ist. Kaum daheim angekommen, machte ich mich also ans Werk und klopfe alle Inhalte in den Rechner. Irgendwann gegen Mitternacht war ich mit der Story soweit zufrieden, dass auch an Schlaf zu denken war. Und siehe da: Bereits am nächsten Morgen konnte ich einen vollständigen, 10.000 Zeichen umfassenden Projektbericht in die Abstimmung schicken. Schon mittags hatte ich die Zustimmung in der Tasche, ohne jegliche Korrekturwünsche.

Tatsächlich ist es mir seitdem nie wieder gelungen, ein solches Projekt vom Briefing bis zur finalen Freigabe innerhalb von 24 Stunden abzuschließen. Ein Erfolg, auf dessen Wiederholung ich in Anbetracht des dafür gezahlten Preises allerdings verzichten kann. Nervlich hat mich dieser Tag mindestens drei Jahre meines Lebens gekostet.

Rüstzeug für Anwenderberichte und Fachartikel

Daher jetzt also meist im Aufnahmedoppelpack – sicher ist sicher. Auf diese Weise kann ich mich ganz auf das Gespräch selbst konzentrieren, ohne aufgrund des „Mitpinselns“ wichtige Punkte zu verpassen. Beim Abhören habe ich darüber hinaus die Möglichkeit, unverständliche Aspekte oder unbekannte Fachbegriffe gleich nachzugoogeln, wodurch sich die Komplexität meist ganz von selbst auflöst und ein umfassendes Verständnis des jeweiligen Sachverhalts entsteht. Weiteres Nachhaken beim Kunden erübrigt sich in der Regel. Keine Frage, der Aufwand ist hoch, gerade was die Niederschrift des Gehörten betrifft. Aber für mich ist genau dieser Schritt elementar, um die Geschichte anschließend bei hoher Detailtreue rund zu bekommen. Von daher werde ich auch in Zukunft von dieser Routine nicht ablassen und weiterhin in regelmäßigen Abständen Batterien auf den PNR-Einkaufszettel setzen.

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