Achtung: Satire 😉

CDU. Nein, Ihr erster Gedanke ist falsch. Knapp daneben, hier geht es nicht um die deutsche Partei. CDU, das ist der „Club der Uneingeladenen“. Das sind die Mitesser auf Pressekonferenzen und Veranstaltungen, ohne je über Inhalte zu berichten. Das ist die organisierte Kleinkriminalität in der Welt der PR-Profession. Die Earls of Sandwich, wie sie hier in Wien und vielleicht auch anderswo genannt werden, jagen nach köstlichen Brötchen, Mitbringseln für die Enkelkinder oder verkaufbarem Kleingut. Manchmal geht es den Uneingeladenen schlichtweg um den Vorhof der Macht, den begehrten Sitz neben dem Minister oder den vorübergehenden Ausweis mit dem Emblem der UNO oder anderer gewichtiger Organisationen. Denn damit können die Berufsmitesser andere beeindrucken.

Sie denken, das sei alles Übertreibung. Propagandistische Schlechtschreibe. Nein. Ich hatte das Vergnügen. Nennen wir ihn Herr W., der zur Pressekonferenz in erstklassiger Lage in Wien ein paar Minuten zu spät kam. Uneingeladen. Mit forschen Schritten. An der Kleidung fällt eine schnorrende Ausnahmeerscheinung nicht auf. Er setzt sich an den Tisch. Er zückt Block und Stift. Er diskutiert mit. Er zieht sich als erster die Getränkeflaschen am Tisch näher. Später steht er auf, um sich am Buffet mit belegten Brötchen und Kipferl zu versorgen. Er stellt Fragen, die meinen Kunden herausfordern, aber keineswegs überfordern. Der Freude über die gelungene Lebendigkeit bei einem schwierigen Pressekonferenzthema gesellt sich meinerseits ein leiser Verdacht an die Seite. Ist das alles koscher? Die Stunde vergeht und beim Rausgehen bitte ich um die Visitenkarte. Die Handynummer wird draufgekritzelt. Er geht mit drei USB-Sticks – „bitte für meine Enkelkinder“ – er flattert mit wehenden Mantelteilen durch die Glastüren hinaus. Vermutlich zum nächsten Schnorrer-Termin.

Der versprochene Newsletter erschien nie. Auf ein Mail erhielt ich keine Antwort. Anrufe blieben erfolglos. Also geht es weiter: Ich betrachte zum hundertsten Mal die sehr weiße, sich aufs wesentlichste beschränkende Visitenkarte und recherchiere mal nach der Organisation, bei der er beschäftigt ist. Google sei Dank. Es ergoogelt sich, dass es sich um einen Think Tank für politische Diskussion quer durch Österreich handelt. Ich rufe kurzerhand an. Keiner hebt ab. Ich schreibe ein Mail. Drei Wochen später meldet sich Herr P.B., Präsident nämlicher Organisation. Seine Wort: „Ja, der Herr ist schon einmal unangenehm aufgefallen.“ Im Gespräch haben sich zwar neue Möglichkeiten für meinen Kunden eröffnet, doch das ist eine andere Geschichte.

EarlsOfSandwichDie Earls of Sandwich betreiben in Österreich eine Webpage. Beziehungsweise betrieben. 2011 waren sie digital auf www.earlsofsandwich.com (siehe Screenshot) aktiv. Vielleicht sind sie nun in den Untergrund abgetaucht, denn das Wenigste, das sie brauchen, ist genau genommen eine Öffentlichkeit. Trotzdem flackert in regelmäßigen Abständen Unmut und Ärger auf. Oder auch nicht. Denn es ist legitim, im Wohlstandseuropa zu fragen: Ist es in Demokratien mit christlicher Grundhaltung akzeptabel, dass manche Menschen manchen Menschen manchmal einfach nur geben?