Im bilingual-simultanen Flow

© Désirée Müller

PR-Begleitung einer Messe und Konferenz – regelmäßige Leser unseres Blogs wissen: Darin sind wir routiniert. Wenn aber der Auftraggeber seinen Sitz in den USA und eine Niederlassung in Großbritannien hat, Messe und Kongress in Deutschland stattfinden und das PR-Team aus vier verschiedenen Ländern kommt, wird aus der Routine ein wunderbares Abenteuer – und in ein solches stürzen wir uns immer gerne.

Als wir im Herbst 2016 mit den Arbeiten für die im Juni abgehaltene Konferenzmesse „POWER-GEN Europe & Renewable Energy World Europe“ begannen, bestand unsere Hauptaufgabe darin, englischsprachige Texte zu übersetzen und den Anforderungen deutscher Redaktionen anzupassen – allein schon im Aufbau unterscheiden sich Presseinformationen aus USA, Großbritannien und Deutschland enorm. Ideen wurden bei regelmäßigen Telefonkonferenzen entwickelt, ohne dass sich alle Beteiligten persönlich kannten. Lediglich die Qualität mancher Telefonanlage trieb uns zu diesem Zeitpunkt ab und zu vereinzelte Schweißperlen auf die Stirn. Ansonsten: business as usual.

Der Einsatz vor Ort hatte es dafür in sich: Hauptakteure waren die Kommunikationsverantwortlichen aus Tulsa, Oklahoma (USA), und London (GB) sowie die PR-Redakteure aus München, Ulm und London – die italienische Agentur hatte zwar die Mitarbeiterin aus Mailand nicht nach Köln geschickt, diese musste aber selbstverständlich auch auf dem Laufenden gehalten werden. Ziel war es, täglich zwischen 17.00 und 18.00 Uhr eine Pressemitteilung mit den Highlights des Tages sowie einem Ausblick auf den folgenden zu verschicken. Nach Eröffnung und anschließender Podiumsdiskussion war im Presseraum lediglich das Klackern der Tasten zu hören, denn um kurz nach fünf war schließlich die Besprechung und Freigabe der Meldungen angesetzt. Die Kollegin aus London hatte es da leicht, denn ihr Text war ja in der „richtigen Sprache“ verfasst. Uns stand natürlich kein professioneller Dolmetscher zur Seite und für eine schriftliche Übersetzung unseres deutschen Textes fehlte schlichtweg die Zeit. Wir fanden jedoch eine andere Lösung: den deutschen Text in Englisch erläutern (Meinen größten Respekt an dieser Stelle an alle Simultandolmetscher da draußen).

Diese Vorgehensweise mag vielleicht gewöhnungsbedürftig sein und macht einen soliden Wortschatz notwendig, funktionierte an den beiden folgenden Tagen aber ebenfalls recht gut. Denn da wir uns aufgeteilt hatten und lediglich in den Pausen zwischen den Konferenzbeiträgen trafen, mussten wir die Inhalte schnell auch den Kollegen zur Verfügung stellen. Das erfordert zum einen eine recht disziplinierte Zusammenarbeit, zum anderen setzt es auch eine gehörige Portion Vertrauen voraus. Dieses wurde uns glücklicherweise entgegengebracht und die amerikanischen Teammitglieder akzeptierten, dass deutsche Journalisten keine Adjektiv-Schlachten schätzen, sondern Fakten. Die Engländer hingegen finden zu viele Zahlen übrigens „slightly boring“ – was unser Abenteuer definitiv nicht war.

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