Bericht aus … Berlin: „Irgendwas mit Medien“ – Medien- und IT-Hochburg

Teil 1

Mit dem Börsengang von Rocket Internet im Oktober letzten Jahres erreichte der Hype um die IT-Wirtschaft in Berlin seinen vorläufigen Höhepunkt. Die Samwer-Brüder als Gründer der Beteiligungsgesellschaft stehen stellvertretend für die „jungen Wilden“ der IT- und Medienszene in der Hauptstadt. Und auch wenn der Begriff „deutsches Silicon Valley“ zu weit hergeholt ist:  Es gibt unbestritten einige Erfolgsstories von Berliner Start-Ups, die es geschafft haben und richtig Geld verdienen. Das stetig zunehmende Venture Kapital aus dem Ausland, das in aussichtsreiche Jungunternehmen fließt, ist ein guter Gradmesser für die Bedeutung der IT- und Medienhauptstadt.

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Unser Bürohaus in der Boyenstraße in Berlin Mitte.

Seit Frühjahr 2014 sind wir mit einem eigenen Büro in Berlin vertreten und damit Teil der „Szene“. Für uns eine gute Möglichkeit, die Kreativ-Branche aus nächster Nähe zu beobachten und neue Trends aufzuspüren. Meine Einschätzung bisher: Im Gegensatz zu den oft zu Unrecht gehypten Firmen zu Zeiten der „New Economy“-Blase wächst derzeit eine recht gesunde Firmenkultur heran. Sie könnte in ein, zwei Jahrzehnten zum neuen, starken Mittelstand der Berliner Wirtschaft reifen.

Warum sich gerade Berlin zu Deutschlands Kreativzentrum entwickelt hat? Ich persönlich denke, dass das weniger mit „harten“ Standortfaktoren wie günstige Büromieten und gute IT-Infrastruktur zu tun hat. Es ist vielmehr eine Art Gründergeist, den ich in anderen Städten so noch nicht erlebt habe. Es hat viel mit der Freiheit zu tun, die Berlin nach der Wende als „unfertige“ Stadt, als Spielwiese für kulturelle und unternehmerische Kreativität bot und immer noch bietet. Und das, obwohl Gentrifizierung und Tourismus dafür gesorgt haben, dass sich auch Berlin leider immer mehr dem internationalen Massengeschmack angleicht. Doch die Freiheitsgrade sind immer noch größer als z.B. im vergleichsweise konservativen Süddeutschland. In Berlin laufen einfach weit weniger Menschen mit der berühmten „Schere im Kopf“ herum – das ist zumindest meine persönliche Beobachtung. Und dieses freiere Denken jenseits von „das geht nicht, das dürfen wir nicht, das haben wir immer schon so gemacht“ färbt auf jeden Neu-Berliner positiv ab.

Rocket Internet ist vielleicht das bekannteste Beispiel eines erfolgreichen Berliner Startups, aus dem mittlerweile ein börsennotierter Konzern geworden ist. Böse Zungen behaupten zwar, dass Rockets Kreativität vor allem darin bestünde, etablierte US-Onlineplattformen geschickt zu kopieren und daraus Geschäftsmodelle für Startups zu entwickeln. Aber auch das muss man erst einmal schaffen. Laut einem Artikel des Manager Magazin war Rocket Internet im Sommer mit rund 6 Milliarden Euro bewertet. Auch wenn viele Firmen des Rocket-Imperiums noch rote Zahlen schreiben: Die Samwer-Brüder haben mit Zalando bewiesen, dass Berliner Online-Tradingplattformen langfristig Erfolg haben können. Aus Startups entstandene Großunternehmen wie Zalando sind im Berliner Raum mittlerweile auch bedeutende Arbeitgeber. Sie beschäftigen oft mehrere hundert Mitarbeiter. Weitere Beispiele, wie aus „IT-Buden“ solide Mittelständler entstehen können, sind die Berliner Firmengruppen um die Plattformen Immobilienscout.de oder Idealo.de.

Doch schauen wir uns auch mal bei den kleineren Einheiten um – zum Beispiel in unserem Bürohaus in Berlin-Mitte. Unser sechsstöckiger Altbau ist  Standort von Start-Ups und teils hochspezialisierten Kleinstunternehmen, die „im Stillen“ exzellente Kreativleistungen erbringen. Mit zwei IT-Startups haben wir im ersten Berliner Jahr die Teeküche und die Gemeinschaftsräume geteilt: Quobyte.com und Multitiv.de Die Firmen beschäftigen sich mit IT-Storage bzw. IT-Security. Sie bewegen sich damit auf Märkten, die rasant wachsen, und die erfolgreichen Dienstleister wachsen mit, so dass beide Unternehmen aus Platzgründen weiterziehen mussten.

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Den sechstöckigen Altbau teilen wir uns mit kreativen Kleinunternehmen.

Die Nachfolger sind nicht weniger spannend: Mit Eventsofa.de ist im Frühsommer ein junges Team eingezogen, das eine Online-Plattform zur bundesweiten Buchung von Eventlocations anbietet. Das Designbüro Pixelbaecker.de bereitet komplexe Zusammenhänge in anschaulichen Infografiken auf und bietet diesen Service u.a. Wirtschaftsmagazinen an.

Last not least unsere Vermieter, das Team der Explonauten.net: Die etablierte Kommunikationsagentur gestaltet nicht nur Homepages, Messestände sowie Drucksachen für uns und andere Kunden, sondern kreiert mit der Marke „Explodio“ auch Web-Radio-Formate. Das Team begleitet den Betrieb dieser Radio-Stationen, inklusive technischem Support. So erfahren wir in der Kaffeepause oder beim gemeinsamen Mittagessen  spannende Geschichten aus der Welt der jungen und etablierten Start-ups. „Irgendwas mit Medien“ verbindet einfach!

Ein ausführliches Portrait zu unseren Agentur-Nachbarn, den Explonauten, Eventsofa und Pixelbäcker, gibt es in Teil 2 der Reihe „Irgendwas mit Medien“ …

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