Nach acht Jahren kehrte ich in meine Heimatstadt Ulm zurück. Ob das aber die richtige Entscheidung war, kann ich nicht wirklich sagen. Nach dem Abitur zog es mich für das Studium der Anglistik nach Augsburg. Klar, die Entfernung zwischen Ulm und der bayerischen „Metropole“ ist jetzt nicht unbedingt die Welt, doch hat es dazu geführt, dass ich mich nach und nach von meiner Heimatstadt Ulm entfremdete. Zwar entschied ich mich bewusst für eine Stadt, die nicht allzu weit von Ulm entfernt liegt, weil ich natürlich die Nähe meiner Familie und Freunde nicht verlieren wollte. Dennoch habe ich den Draht zu meiner Heimat verloren, die mir nach acht Jahren völlig fremd erscheint. 

An dieser Stelle sollte ich noch erwähnen, dass mein Rückzug nicht ganz freiwillig zustande kam. In Augsburg lebte ich die letzten anderthalb Jahre in einer Dreier- WG – mit einem Pärchen. Letztes Jahr haben sich meine zwei Ex-Mitbewohnende auch das Ja-Wort gegeben. Und wie der Lauf der Dinge nun mal ist, ließ die Nachricht über einen Nachwuchs auch nicht sehr lange auf sich warten. So unerwartet wie diese Nachricht auch kam, hat es mich aber letztendlich nicht wirklich gewundert. 

Da für das frisch gebackene Ehepaar ein Umzug nicht wirklich in Frage kam, wusste ich, was das für mich bedeutet: ich muss Platz für das Baby machen. Was ich aber nicht wusste: wohin mit mir? Ein fünftes Mal die WG zu wechseln wollte ich mir eigentlich sparen, da ich sowieso plante, nach dem Abschluss Augsburg zu verlassen. Plan B wäre in eine komplett neue Stadt zu ziehen, aber nach gescheiterten Bewerbungsgesprächen wurde daraus leider auch nichts. Letztendlich musste ich also auf Plan C zurückgreifen: Ich ziehe zurück nach Ulm. Back to the roots. Zurück zu den Eltern – vorerst. 

Nach acht Jahren fühlt sich mein doch so vertrautes Ulm wie eine fremde Stadt an. Obwohl das Stadtbild im Großen und Ganzen ähnlich ist, erkenne ich teilweise ganze Straßenzüge nicht mehr wieder, und so ist es schon das eine andere Mal vorgekommen, dass ich mich komplett verirrt habe. Meine alte Schule, das Kepler-Gymnasium, sieht mittlerweile völlig anders aus als in meinen Erinnerungen. Nicht nur ich habe mich verändert, sondern auch meine Heimatstadt. Und die vielleicht sogar mehr als ich selbst!

Seit einiger Zeit schwelge ich oft in Erinnerungen an meine Zeit in Augsburg, an meine Studienzeit, von der ich getrost behaupten kann, die bisher schönste Zeit in meinem Leben gewesen zu sein. Daher mein Appell an alle Hochschulabsolvierenden und Erstis: Die Studienzeit ist unglaublich wertvoll, genießt sie also in vollen Zügen, solange es geht und es die Situation zulässt!

Natürlich bin ich sehr gespannt, was die Zukunft für mich bereithält. Gerade befinde ich mich an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich mich neu orientieren muss – und das nicht nur in Ulm. Mit der Vorbereitung auf das Berufsleben beginnt für mich bald ein neuer Lebensabschnitt, bei dem ich mir nicht ganz sicher bin, ob man ihn als „Erwachsenwerden“ bezeichnen kann. Das Praktikum bei Press’n’Relations begleitet und unterstützt mich bei diesem Prozess und bin ich davon überzeugt, dass ich mich nach all den umgeworfenen Plänen doch irgendwie auf dem richtigen Weg befinde. 

Mascha Häge