Ich bin nicht der Meinung, dass gute Fotos nur mit einer teuren Profikamera entstehen können – und das als gelernte Fotografin. Wie oft ich den Satz „Deine Kamera macht aber tolle Bilder“ schon gehört habe! Aber klar, die Menschen sehen nicht, wie du dir überlegst, das Motiv in Szene zu setzen, wo das Licht am schönsten ist oder wie du den Bildausschnitt gestaltest, bevor du den Auslöser drückst. Dabei ist es auch mit dem Smartphone möglich einzigartige Bilder zu kreieren. Hier ein paar Tipps dazu.

1. Bildgestaltung

Bei der Gestaltung eines Bildes sollte darauf geachtet werden, dass der Horizont gerade ausgerichtet ist. Hierbei hilft die Einstellung „Raster einblenden“, welche mittlerweile bei so gut wie allen Smartphones in den Kamera-Einstellungen zu finden ist. Vom menschlichen Auge als besonders harmonisch wahrgenommen werden Bilder, die nach der sogenannten Drittel-Regel konzipiert wurden. Hier lohnt sich also Objekte nicht genau in der Mitte, sondern eher etwas weiter links oder rechts anzuordnen. Auch hilft das Raster, das Bild in die horizontalen sowie vertikalen Linien einzuteilen.

Links ist das unbearbeitete Bild zu sehen. Rechts wird mit einer Bildbearbeitung-App (hier in den Beispielen VSCO) der Ausschnitt so angepasst, dass er der Drittel-Regel entspricht.

2. Manuell Scharfstellen und belichten

Nicht immer findet das Smartphone automatisch das richtige Objekt, auf das man scharfstellen möchte oder belichtet es richtig. Öffnet man die Kamera, so kann man mit Tippen auf das Display festlegen, wo fokussiert werden soll. Bei den meisten Smartphones lässt sich auch die Belichtung manuell anpassen. Manchmal sehen gerade mit Absicht dunkler gestaltete Fotos mit hohem Schwarz-Anteil ansprechend aus, manchmal auch sehr helle.

Oft stellt die Kamera automatisch auf die Ferne scharf, hier wurden die Regentropfen manuell in den Fokus gesetzt. Rechts ist das bearbeitete Bild zu sehen, es wurde nur ein Filter darübergelegt, der die Farben wärmer erscheinen lässt.

3. Ungewohnte Perspektiven

Wird aus der sogenannten Frosch- oder Vogelperspektive von unten beziehungsweise oben fotografiert, kann das einem Foto mehr Spannung verleihen. Hierbei können zwar die Linien nicht mehr gerade ausgerichtet werden – beispielsweise bei Hauswänden – sondern zeigen zu einem Fluchtpunkt, der nicht in der Mitte des Bildes liegt. Elemente, die von unten fotografiert werden erscheinen größer und länger, was ihnen eine mächtigere Erscheinung geben kann. In die andere Richtung bedeutet das, dass Motive kleiner und gestauchter dargestellt werden, wenn sie von oben fotografiert werden.

Das bearbeitete Bild rechts weist kaum Unterschiede auf, lediglich die Farben wurden etwas intensiviert.

4. Unschärfe im Hintergrund

Wer denkt, nur lichtstarke Objektive können eine tolle Unschärfe im Hintergrund erzeugen, hat sich geirrt. Geht man nah an das Objekt heran oder benutzt den Makro-Modus, lässt sich dieser Effekt auch mit der Smartphone-Kamera erzeugen. So lassen sich unscharfe Lichtkreise im Hintergrund erzeugen, welche man als Bokeh (jap. “verschwommen”) bezeichnet.

Hier sieht man deutlich, wie sich die Katze von dem unscharfen Hintergrund abhebt.

5. Licht

Beim Fotografieren sollte immer darauf geachtet werden, wie das Licht einfällt und ob es sich um gelbliches oder bläuliches Licht handelt. Die Sonne gibt beispielsweise ein neutral bis warmes Licht ab, je nach Tageszeit. Doch gerade zur Mittagszeit ist das Sonnenlicht von oben gleichzeitig sehr hart. Wenn man zu dieser Zeit ein Portrait machen möchte, ist es ratsam das Model im Schatten zu platzieren, da sonst unschöne Schatten unter den Augen und der Nase auftreten. Natürlich kann man auch bewusst zu jeder Tageszeit Licht und Schatten als Gestaltungsmittel einsetzen. Zu Sonnenauf- und untergang ist das Licht am weichsten, dann werden Landschaften in die schönsten Farben getaucht. Wird in Innenräumen fotografiert, sollte Mischlicht – also Licht unterschiedlicher Lichtfarbe – vermieden werden, wenn verschiedene Lichtquellen vorhanden sind.

Der Himmel bietet zur Sonnenuntergangsstimmung oft die schönsten Farben. Im rechten Bild wurden sie noch etwas verdeutlich und die Lichtfarbe wärmer.

6. Farbkontraste

Lohnenswert ist auch das Experimentieren mit Farbkontrasten. Solche entstehen nach Johannes Itten durch das Aufeinandertreffen von warm und kalt wirkenden Farben oder sich im Farbkreis gegenüberstehenden Farben. Ebenso reizvoll ist das Spiel mit Hell-Dunkel-Kontrasten.

Grün und Rot stellen einen sogenannten Komplementär-Kontrast dar, da sich die Farben im Farbkreis gegenüberliegen. Das rechte Bild wirkt durch eine dunklere Bearbeitung stimmungsvoller.

7. Bildbearbeitung

Von den zahlreichen Bildbearbeitungs-Apps arbeite ich am liebsten mit Lightroom Mobile und VSCO. Letztere bietet Filter im analogen Look und mit schönen Farben, welche sich gleichzeitig noch fein anpassen lassen. Auch den Ausschnitt und die Belichtung kann man in dieser App noch korrigieren. Alle hier verwendeten Fotos wurden in VSCO bearbeitet. Meist reicht es aus einen leichten Filter über das Bild zu legen und den Kontrast sowie den Ausschnitt anzupassen.

Natürlich sollte man sich aber auch im Klaren darüber sein, dass Handyfotos dann an ihr Limit stoßen, wenn man sie größer ausdrucken oder zu Werbezwecken verwenden möchte. In diesem Fall reicht die Qualität oftmals nicht aus. Dennoch sollten besondere Momente öfters ausgedruckt und gut aufbewahrt werden – egal, ob Handyfotos oder die professionellen vom Fotografen.

Autorin: Diana Mühlberger