Wenn nicht gerade Krisenkommunikation angesagt ist, kann es für PR-Profis kaum etwas Schöneres geben: Ein Journalist fragt bei einem Unternehmen ein persönliches Interview an. Ein eindeutigeres Zeichen, dass die – beispielsweise per Pressemeldung – transportierten Inhalte das Interesse der Gegenseite geweckt haben, gibt es wohl kaum. Zumal damit in der Regel gleichzeitig eine Veröffentlichungsgarantie einhergeht. Denn kein Medienvertreter betreibt heutzutage noch den Aufwand eines direkten Gesprächs, wenn er nicht die klare Absicht verfolgt, die gewonnenen Einblicke danach im Rahmen eines Beitrags zu verarbeiten oder zumindest in die künftige redaktionelle Arbeit einfließen zu lassen.

Hurra und ohje

Doch was an sich erstmal eine gute Sache ist, kann durchaus auch für Verunsicherung auf Seiten des „Interviewten“ sorgen. Schließlich gehört der direkte Austausch mit Presse oder Rundfunk nicht für jeden fachlichen Experten und Unternehmenslenker zum täglichen Brot. In dem Zusammenhang spielt nicht zuletzt die Persönlichkeit eine entscheidende Rolle. Klar gibt es Menschen, denen das Gen zur sprichwörtlichen „Rampensau“ in die Wiege gelegt wurde und die als Rhetoriker vor dem Herrn auftreten – ihnen gilt meine ganze Bewunderung und ebenso ein wenig Neid. Aber nur wenige werden als solches Naturtalent geboren. Und genau das macht den Reiz der Interviewform in nicht wenigen Fällen ja gerade erst aus: Empathie ist hier das entscheidende Stichwort. Ein guter Interview-Partner wird man nicht durch pure Eloquenz, sondern auch dadurch, wie man grundsätzlich mit der Situation umgeht.

Bewusstsein schaffen

Es schadet daher auf keinen Fall, einmal das Bewusstsein für solche Anlässe zu schärfen, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Im Zuge meiner Ausbildung bin ich vor Jahren einmal in den Genuss eines professionellen Medientrainings gekommen und kenne daher die Herausforderung, die eigene Komfortzone zu verlassen. Gerade die Erinnerung an das Kameratraining treibt mir noch heute den Schweiß auf die Stirn. Mich in einer solchen Befragungssituation selbst im Video zu sehen, war durchaus ein einschneidendes Erlebnis. Ich sage nur: „Äh und Oh“ und „verhuschte Blicke durch den Raum“. Aber genau diese Konfrontationstherapie war letztendlich extrem hilfreich. Schließlich kommt es vor allem darauf an, Schwächen zu erkennen und daran zu arbeiten. Und wie so häufig gilt auch hier: Übung macht den Meister und sorgt für Sicherheit. Gute Vorbereitung kann dabei viel bewirken – nicht nur hinsichtlich der Souveränität nach außen, sondern auch im Sinne des eigenen Wohlbefindens.

Tipps und Tricks vom Profi

Bei meiner Recherche zu diesem Thema bin ich auf die Tipps des mehrfach ausgezeichneten Experten für Rede- und Mediencoachings Georg Wawschinek gestoßen – und daran hängengeblieben. In meinen Augen trifft er den Nagel auf den Kopf. Daher möchte ich an dieser Stelle auch gar nicht wiederkäuen, sondern direkt an den Profi verweisen: Lesen lohnt sich, bei jedem einzelnen aufgeführten Punkt der Checkliste. Selten habe ich bei der Lektüre von Handlungsempfehlungen so häufig gedacht: Jepp, genau so ist es. Perfekt beschrieben.

Ich glaube, dass bei Beherzigung dieser Aspekte der größte Schritt des Weges schon gegangen ist. In dem Zusammenhang kann ein individuelles Medientraining natürlich zusätzlichen Mehrwert bringen – hier unterstützen wir bei Bedarf gern bei der Auswahl eines geeigneten Angebots.

Das Fazit lautet also: Interview-Chancen zu ergreifen, ist wichtig – und sich dabei sicher zu fühlen, kann jeder lernen.