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Ich werde oft gefragt, ob ich als Berufseinsteiger in einem Job, in dessen Mittelpunkt das Schreiben steht, keine Angst vor der Zukunft habe. Kann KI die PR-Arbeit übernehmen? Diese Frage stellen sich längst auch viele Entscheider, wenn es darum geht, Prozesse zu verschlanken oder Kosten einzusparen.

Ich sehe das Ganze recht gelassen. Denn im Alltag zeigt sich für mich immer wieder: Chatbots sind nur so gut wie das Wissen der Menschen, die sie nutzen.

Künstliche Intelligenz ersetzt keine Erfahrung

Den meisten ist klar, dass man KI nicht grundsätzlich verteufeln muss. Sie hat Vorteile, die man nutzen kann – und meiner Meinung nach auch sollte. Ich tue das schon seit dem Start von ChatGPT.

Ein ehrlicher Einblick in meinen Berufsalltag mit Chatbots: Für viele Texte lade ich zuerst Referenzen in Microsoft Copilot oder ChatGPT, gebe das gewünschte Format vor und nenne das neue Thema. Zack, ein erster Entwurf. Ein Laie würde hier eventuell schon sagen: „Passt so.“

Auch ich ertappe mich manchmal dabei, den Output der KI zu lesen und zu denken: Kann man so lassen. Bequemlichkeit ist eben verführerisch.

Aber dann meldet sich doch dieser innere Kontrolleur:

  • „Das passt in dem Kontext nicht.“
  • „Mit der Formulierung wäre ich vorsichtig.“
  • „Das klingt nicht lebendig genug.“
  • „Hier fehlt der Mehrwert für die Leser.“

Gedanken, die nur entstehen können, weil ich einige Texte gelesen, geschrieben und redigiert habe – und weil ich gelernt habe, was ein guter Text leisten sollte.

Lernen mit KI zeigt ihre Grenzen deutlich

Am transparentesten wird dieses Zusammenspiel, wenn man mit Künstlicher Intelligenz etwas komplett Neues lernt. So habe ich mir zum Beispiel das Mischen von Musik mithilfe von KI beigebracht. Der Ablauf war dabei immer derselbe:

  1. Ich frage ChatGPT, welche Frequenzbereiche eines Instruments ich im Mix anheben oder absenken sollte.
  2. Ich bekomme eine Antwort, wende sie an – und bin zufrieden. Für einen Moment fühlt es sich an, als hätte ich mit wenig Aufwand ein Ergebnis erzielt, für das professionelle Mixing Engineers ein Studium absolvieren.
  3. Also wiederhole ich den Prozess.
  4. Nach und nach fange ich an, nicht mehr stumpf die Einstellungen der KI zu übernehmen. Ich schraube selbst an den Reglern, schaue YouTube-Tutorials, werde feinfühliger und kritischer.
  5. Ich merke: Jedes Mal kann ich ChatGPT genauer beschreiben, was ich haben will. Und jedes Mal wird das Ergebnis ein Stück besser.
    Genau dadurch wurde für mich sichtbar, wie oberflächlich Chatbot-Outputs oft sind, wenn man selbst keine entsprechende Wissensgrundlage hat.

KI hilft beim Einstieg.
Aber sie ersetzt nicht den Weg, den man gehen muss, um wirklich gut zu werden.

Ein Blick in die Kristallkugel

Es ist immer schwierig, die Zukunft vorherzusagen und natürlich entwickelt sich KI weiter. Die verschiedenen Modelle werden immer präziser und schneller darin, Muster zu erkennen. Aber Kommunikation findet nie im luftleeren Raum statt. Sie bewegt sich in sozialen, politischen und kulturellen Kontexten, die sich ständig verändern – und die man nicht nur aus Daten ableiten kann.

Selbst wenn Chatbots also besser werden, bleibt meiner Meinung nach eine Frage offen, die sie nicht beantworten können: Warum ist das gerade jetzt wichtig?

Ich habe keine Angst vor KI, weil ich jeden Tag sehe, wie sehr sie auf menschliche Erfahrung angewiesen ist. Sie übernimmt Teile der Arbeit, ersetzt aber nicht das Gespür für Haltung, Verantwortung und Wirkung.

Peter Drucker, bekannt als Pionier moderner Managementlehre, hat es 1989 treffend formuliert:
„The most important thing in communication is hearing what isn’t said.“

Hier wird deutlich, wo KI an ihre Grenzen stößt – und der Mensch seine Stärke ausspielen kann.