Nur noch digitale Social Skills? Analog ist manchmal besser …

Smartphones, Onlineshops, Netflix & Co.: In den letzten Jahren nahm die Digitalisierung ihren Lauf. Aus klassischen Liebesbriefen wurden Whatsapp-Nachrichten mit Herzchen-Emojis, kitschige Fotoalben durch einen Ordner in der Galerie des Smartphones ersetzt und Einkäufe mittlerweile bevorzugt per Mausklick erledigt. Die Lust, einen Abend im Kino zu verbringen ist geschwunden – denn wer zahlt schon gerne 20 Euro und mehr, wenn man auch einfach einen gemütlichen Abend gemeinsam Pizza essend auf dem Sofa verbringen und sich einen von 5579 Filmen auf Netflix anschauen kann?

Zugegeben, ständige Neuerungen erleichtern uns das Leben: Viele Dinge sind schlichtweg unverzichtbar. Alleine in Sachen medizinischer Forschung wurden in den letzten Jahren Riesensprünge gemacht, aber auch die Industrie erfreut sich über viele Neuheiten, die Arbeitsprozesse deutlich erleichtern. Es gibt aber Experten, die sich mit deutlich wichtigeren Problemen der heutigen Zeit beschäftigt haben: Was wären wir nur ohne die absolut kompetenten Dating-Apps, ohne die die Menschheit nicht in der Lage wäre, den passenden Partner zu finden? (Wie haben das nur unsere Großeltern geschafft?!?). Ohne Facebook, Instagram & Co. wäre es dann selbstverständlich auch für niemanden mehr möglich, die ultrasupersüßen Bilder des zweimonatigen Liebesjubiläums (#JaWirSindGlücklich #EinEisZurFeierDesTages #NieWiederOhneDich) der alten Klassenkameraden zu sehen und ein halbes Jahr später die Trennungs-Schlammschlacht hautnah miterleben zu dürfen.

Blumensträuße werden nicht mehr klassisch beim Floristen gekauft und seinen Liebsten vorbei gebracht – nein, den großen Strauß Rosen kann man ja mittlerweile schon für 12,99 Euro online kaufen und bequem nach Hause liefern lassen. Wieso sich etwa liebevoll selbst bei seiner Liebsten entschuldigen, wenn das auch der süße DHL-Bote inklusive vorgefertigter Kitschkarte machen kann?

„Personen, die du vielleicht kennst“
Auch Freundschaften lassen sich im heutigen Zeitalter deutlich schneller knüpfen: Durch die vielen sozialen Netzwerke werden einem täglich neue Bekanntschaften vorgeschlagen, die innerhalb kürzester Zeit zu den allerbesten Freunden mutieren und durch dick und dünn gehen – bis zum ersten realen Treffen.

Genauso schnell, wie man Leute kennenlernen und Beziehungen aufbauen kann, kann man diese auch wieder beenden lassen: richtig gelesen, beenden LASSEN. Einem Menschen selbst mitteilen, dass man wohl doch nicht auf der gleichen Wellenlänge ist oder einen neuen Partner hat? Absoluter Quatsch, denn dafür gibt es schließlich spezielle Trennungs-Agenturen, die diese unangenehme Situation übernehmen und dem zukünftigen Ex-Partner nach einem vorher festgelegten Schlussmach-Text zur Feier des Tages noch eine Trostflasche Prosecco überreichen.

Zugegeben, es gibt natürlich deutlich sinnvollere Fortschritte, die wirklich wichtig sind, uns tagtäglich unterstützen und auf die wir auch angewiesen sind. Zu sehr sollten wir uns aber nicht von jeglicher zukunftstechnischer Neuheit beeinflussen lassen und vielleicht auch nicht jedem Trend sofort zusagen, denn so können ziemlich schnell menschliche Werte verloren gehen. Was bringen uns Bilder auf dem Smartphone, wenn wir diese nicht in 40 Jahren nostalgisch mit unseren Freunden durchblättern können? Wo ist die tröstende Umarmung vom virtuellen besten Freund, wenn man von Sorgen geplagt wird? Was bringt uns ein geteiltes Foto vom super hipp angerichteten Sushi, wenn wir uns im Nachhinein nicht mal mehr an das eigentliche Treffen mit der besten Freundin erinnern können? Und mal ehrlich: Den Liebsten bei einem Festival mit ausgelassener Stimmung und den besten Freunden kennengelernt zu haben, klingt doch deutlich schöner, als beim 43. Wisch aufgrund seines attraktiven Bilds auf dessen Tinder-Profil hängen geblieben zu sein.

Ein sehr schönes Zitat, das, meine Meinung verdeutlicht, ist: „Schreibe ihr einen Liebesbrief. Dass sie in 40 Jahren Whatsapp-Nachrichten auf dem Dachboden findet, ist eher unwahrscheinlich.“

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