Von der Suche nach mehr Zeit zum Blockchain-Hype

IMG_8725Ist es nicht seltsam – ununterbrochen kommen neue Ideen, Apps oder sonstige Erfindungen auf den Markt, die uns versprechen, dass sie wir endlich mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens haben werden. Das einzige, was mir auffällt: Es scheint eher so, als würde diese Zeit im Nirwana verschwinden. Davon, dass irgendjemand mehr freie Zeit zur Verfügung hat und – ob der enormen Zeitersparnis – entspannter durch den Tag geht, merkt man reichlich wenig. Im Gegenteil. Die ununterbrochene Verbindung mit dem Worldwideweb, sei es via sozialen Medien-Kanälen, die uns munter den ganzen Tag mit aufpoppenden Neuigkeiten beglücken, E-Mails oder Nachrichten, entpuppt sich immer mehr als Timebandit. So viele Vorteile die Wundermaschine im Hosentaschenformat für die Menschheit auch bringen mag, zu mehr Qualitätszeit  – zum Beispiel fürs Familienleben – trägt sie nicht unbedingt bei. Denn auch dort macht der Wahnsinn keinen Halt, das ständige Vorhandensein von Medien beeinflusst das Familienleben laut Bleckmann Studien (USA) mittlerweile massiv. Eltern wie Kinder sind angeblich durch den ständigen Blick auf das Smartphone so abgelenkt, dass in den Familien um 20 Prozent weniger direkte und um 40 Prozent weniger indirekte Kommunikation stattfindet. Erschreckende Ergebnisse.

Rettungsanker Flugmodus
Flugmodus ist da in der Freizeit manchmal die einzige Rettung und Selbstdisziplinierung, denn spannend ist es ja schon, was da so alles in der Welt passiert. Keine Frage – mobile Devices im Online-Modus haben schon ihren Reiz. Noch nie war es so verlockend und so leicht, ununterbrochen am Puls der Zeit zu sein. Ob Fake- oder normale News, dauernd will man wissen, was passiert, ob der Kunde schon geantwortet hat oder was sich in den sozialen Medien tut. Manchmal kommt es einem dann so vor, als würden sich die Uhren heute doppelt so schnell drehen wie anno dazumal in den unbeschwerten (Kinder-)Tagen der 70er Jahre.

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Hinter jedem Klick ein neuer Hype
Internet of Things (IoT), Cloudcomputing, Augmented Reality – ein Buzzwort jagt das nächste, wobei mein hysterieauslösender Favorit Blockchain nicht fehlen darf. Spannenderweise offensichtlich so sophisticated und schwer zu beschreiben, dass man kaum übereinstimmende Erklärungen bekommt, wenn man verschiedene Leute dazu befragt. Selbst Experten scheinen sich nicht einig zu sein. Also besser doch googeln, sicher ist sicher, WIKI weiß immer Bescheid. Grob gesagt, beschreibt Blockchain die Struktur der Datenbank hinter der digitalen Alternativwährung Bitcoin: Beginnt ja schon mal spannend, wenn ein neuer Trend per se nicht wirklich verstanden wird – als PR-Beraterin orte ich hier natürlich enormen Kommunikationsbedarf und eine heranwachsenden Klientenstock. 😉

Blockchain-Kritik
Wohin geht die Reise? Die herrschenden Meinungen gehen da weit auseinander: Während die Deutsche Bank gar „an einen Paradigmenwechsel im vorherrschenden Finanzsystem“ glaubt, sieht Blockchain-Experte Tony Arcieri vor allem die Bitcoin-Blockchain schnell an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen – da mit jeder wachsenden Blockchain ein immer größerer Rechenaufwand mitgeschleppt wird. Angeblich verbraucht die Datenbank für eine Transaktion die gleiche Menge Elektrizität, die einen amerikanischen Durchschnittshaushalt für einen Tag versorgen könnte. Die Wunderwelt der digitalen Finanzen scheint also an physische Grenzen zu stoßen. Auch der Universitätsdozent für Applied Sciences an der Uni Krems, Rahim Taghizadegan, sieht in dem Thema eine lukrative Verwechslung – sowohl für Programmierer als auch Banken, und zwar aus demselben Grund: Marketing. Blockchain wird als zeitgeistiges Synonym für Datenbankentwicklung verwendet; über diese Fehlbezeichnung wird zu beidseitigem Nutzen hinweggesehen – denn sinnvoll wäre in seinen Augen die Blockchain-Technik nur dann, wenn man gänzlich auf Banken verzichten möchte.

Revolution oder Bubble – derzeit ist das Match noch offen und die Erinnerung an die Dotcom-Blase 2000 noch nicht ganz verblasst. Eines ist jedoch sicher: Wenn ganze Mitarbeiterstäbe von Bankern als Digitalisierungsopfer ohne Job auf der Straße stehen, dann haben zumindest viele Menschen wieder sehr viel mehr Zeit. Fragt sich nur, ob es sich dann dabei um jene Zeit handelt, von der so viele träumen…

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