Korrektur lesen – vertrauen Sie nicht auf das, was Sie sehen

IMG_0145 KopieEiner unserer Grundsätze in der täglichen Pressearbeit lautet, dass kein Text ungeprüft das Haus verlässt. Das bedeutet, dass alle Presseinformationen, Anwenderberichte und Artikel von mindestens vier Augen Korrektur gelesen werden. Was auf den ersten Blick nach einer einfachen Aufgabe aussieht, gestaltet sich in der Ausführung jedoch meist etwas schwieriger. Denn überprüft werden müssen – in dieser Reihenfolge – Rechtschreibung, Grammatik, Inhalt und zu guter Letzt auch noch die Optik. Der Haken an der Geschichte: Dabei gilt es, das eigene Hirn nicht nur richtig einzusetzen, sondern teilweise auch auszutricksen. Soviel vorab: Vertrauen Sie nicht dem, was Sie sehen.

Ein Text lässt sich auf unterschiedliche Arten auf Rechtschreibung und Grammatik überprüfen. Am bequemsten ist es sicherlich, die in Office-Programmen eingebaute automatische Funktion zu nutzen. Leider rangiert diese selbst in Microsoft Word 2016 nach wie vor am unteren Ende der Leistungsskala. Allein schon der Umstand, dass es einen Button für „Sprache“ gibt, zeigt klar, dass es mit der automatischen Erkennung nicht weit her sein kann 😉 Dem Programm gebe ich dabei aber keine Schuld. In unserer von Anglizismen durchsetzten Sprache ist es nicht verwunderlich, wenn ein Text „automatisch“ in die falsche Länderschublade rutscht. Ich bin über diesen Button sogar froh, denn oft schicken die Kollegen aus Österreich und der Schweiz Material nach Deutschland, dem erste die richtige Länderflagge zugeordnet werden muss. Eine kurze Überprüfung dieses Absatzes zeigt mir übrigens, dass das Programm das falsch geschriebene „erste“ im Satz zuvor nicht bemängelt hat – ist es Ihnen aufgefallen? Da außerdem selbst in der 2016er Version dieser Office Suite das durchaus gebräuchliche Wort „Ausgansrechnung“ trotz des fehlenden „g“ nicht bemängelt wird, bleibt nur ein Fazit zu ziehen: Sie können die automatische Rechtschreib- und Grammatikprüfung gerne benutzen – aber verlassen Sie sich bitte nicht darauf.

Rechtschreibung

Wenden wir uns also schnell von der künstlichen Intelligenz ab und der eigenen zu. Hier tappen wir gleich in die nächste Falle. Denn unser Hirn ist dermaßen flexibel, dass es uns sogar den folgenden Buchstabensalat verstehen lässt:

„Gmäeß eneir Sutide eneir elgnihcesn Uvinisterät ist es nchit witihcg, in wlecehr Rneflogheie die Bstachuebn in eneim Wrot snid, das ezniige was wcthiig ist, dass der estre und der leztte Bstabchue an der ritihcegn Pstoiion snid. Der Rset knan ein ttoaelr Bsinöldn sien, tedztorm knan man ihn onhe Pemoblre lseen. Das ist so, wiel wir nciht jeedn Bstachuebn enzelin leesn, snderon das Wrot als gseatems.“

Natürlich brennen sich einem die augenscheinlichen Fehler in fast jedem Wort in die Netzhaut ein, aber gerade das lässt uns ja die weniger offensichtlichen übersehen. Ich habe mir deswegen im Laufe der Jahre zur Überprüfung der Rechtschreibung eine eigene Technik angeeignet. Jeder Text wird mindestens zwei Mal und das jeweils auf unterschiedliche Arten gelesen. Im ersten Durchgang gehe ich das ausgedruckte(!) Dokument aus der Nähe sowie Buchstabe für Buchstabe und Wort für Wort durch, ohne dabei den Sinn des Satzes zu erfassen. Also ungefähr in der Art, wie kleine Kinder das Lesen lernen (lachen Sie ruhig – der Zweck heiligt die Mittel!). Dadurch fallen in der Regel bereits die allermeisten Tippfehler, Buchstabendreher, doppelten Leerzeichen oder auch schon falsch gesetzte Satzzeichen auf.

Grammatik

Im zweiten Durchgang geht es dann um die Grammatik. Handfeste Tipps dafür kann ich Ihnen leider keine geben. Grundsätzlich sind Wortwiederholungen im gleichen oder folgenden Satz beziehungsweise Absatz sowie an Satzanfängen zu vermeiden. Persönliche Anreden in redaktionellen Texten sind tabu – bei eher werblichen Inhalten und Anzeigen lässt es sich selten vermeiden. Wie bereits weiter oben erwähnt, ist Ihnen die automatische Rechtschreibprüfung auch hier kaum dienlich. Denn die deutsche Sprache lässt derart komplizierte und doch semantisch richtige Satzgebilde zu, dass davor jegliche künstliche Intelligenz kapituliert. Ein Beispiel wäre „Auf der Galerie“ von Franz Kafka. Obwohl an der formalen Ausführung nichts auszusetzen ist, leidet doch klar die Lesbarkeit darunter. Denn wenn der Leser am Ende des Satzes vergessen hat, worum es am Anfang ging, wird er eher früher als später aufhören zu lesen, obwohl ihm dadurch vielleicht die eine oder andere wichtige Information entgeht, die es wert wäre, in einem oder mehreren kürzeren Sätzen, die generell den Lesefluss erhöhen, unterzubringen 😉 Das bringt uns zum nächsten Punkt: dem Inhalt.

Inhalt

Wie eingangs bereits erwähnt, wird bei uns ein Text im Vier-Augen-Prinzip geprüft – im Idealfall sogar von einer Person, die eben nicht „vom Fach“ ist. Das schützt den Beitrag vor einer Prüfung durch einen betriebsblinden oder zu sehr mit dem Fachjargon vertrauten Kontrollleser. Kurz gesagt: Selbst wenn ein Text grammatikalisch perfekt ist, können immer noch inhaltliche Fehler oder schlicht und einfach Blödsinn enthalten sein (letzteres gilt nicht für vorgegebene Zitate, die werden immer 1:1 übernommen ;)) Deswegen sollten zunächst alle „harten Fakten“ überprüft werden, angefangen beim Datum über Namen, Adressen, Links und sonstige Nummern. Denn gerade zum Jahreswechsel kann es vorkommen, dass versehentlich noch die falsche Jahreszahl eingetragen ist. Ja, ich spreche da aus eigener Erfahrung. Was in diesem Fall eher weniger kritisch ist, kann bei Zahlendrehern in Bilanzmeldungen größere Auswirkungen haben. Bei der inhaltlichen Überprüfung kommt wieder unser Hirn zum Einsatz: Kann es überhaupt stimmen, was da steht? Ist es plausibel und in sich logisch? An dieser Stelle ist kritisches Hinterfragen angebracht – je „dümmer“ die Frage, umso besser. Insbesondere bei längeren Texten kommt es durchaus vor, dass sich wiederkehrende Informationen über die Seiten verändern. (Übrigens wollte Word das „die eben“ im ersten Satz gerne in „dieeben“ ändern, hat dann den eigenen Vorschlag aber gleich rot unterstrichen. Ach ja.)

Optik

Presseinformationen sind in der Regel immer im Corporate Identity-Look des jeweiligen Unternehmens gestaltet. Es existieren beispielsweise feste Vorgaben zur Positionierung des Logos und dessen Größe, teilweise auch zur Schriftart und den Absätzen. Da Word in diesem Bereich gerne von alleine eingreift und es einem dann schnell die Formatierung „zerschießt“, kann ein Abgleich mit der Referenzvorlage nie schaden. Längere Texte, wie Fachartikel und Anwenderberichte, laufen oft Gefahr, als „Bleiwüsten“ zu enden. Bei wenig bis keinen Bildern können diese über Zwischenüberschriften, regelmäßige Absätze und einen erhöhten Zeilenabstand lesbarer gestaltet werden. Die Aktivierung der Silbentrennung sorgt außerdem dafür, dass keine allzu großen optischen Lücken in den Zeilen entstehen. Allerdings steigt damit wieder das Risiko, dass Word falsch trennt und Sie wieder manuell eingreifen müssen. „Hurenkind“ und „Schusterjunge“ sind weitere optische Makel, die sich über die Funktion „Absatzkontrolle“ meist wirksam vermeiden lassen. Hier kann außerdem über eine Änderung des Zeichenabstands, manuelle Trennungen im Satz oder ein Umtexten regulierend eingegriffen werden.

Fazit

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen und Kontrollmechanismen kommen natürlich ab und zu Fehler vor. Diese können etwa dem Zeitdruck, kurzfristigen nachträglichen Änderungen und Erweiterungen oder einer Umformatierung geschuldet sein. Wenn im „Worst-Case-Szenario“ etwas gleich von mehreren Korrekturlesern schlicht und einfach übersehen wurde, sehen Sie es uns nach – wir haben das Möglichste getan, um es zu vermeiden.

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