Kochrezept zum Redenschreiben

img_6980Hochzeiten, Parteitage, Firmenjubiläen, Beerdigungen…Anlässe für Reden gibt es zahlreiche, die Qualität der gesprochenen Worte lassen aber leider oft zu wünschen übrig. Was kein Wunder ist, denn Redenschreiben lernt man nicht, weder in der Schule noch auf der Universität. Und was im englischsprachigen Raum schon längst Gewohnheit ist, nämlich eine Rede von einem Ghostwriter schreiben zu lassen, setzt sich bei uns erst langsam durch.

Doch wenn man ein paar Regeln beachtet, ist es gar nicht so schwer.

Wie lautet das Rezept?

Zeit einplanen
Man nehme eine Portion Zeit. Denn so wie ein guter Artikel seine Zeit braucht, bis er recherchiert und geschrieben ist, so braucht auch eine gute Rede ihre Vorbereitungszeit.
Als Faustregel für die Sprechdauer gilt, jede gesprochene Minute bedarf ca.100 geschriebener Wörter, das sind also ca. 1500 Wörter für eine 15 minütige Ansprache.

Ein starker Beginn
Legen Sie besonderes Augenmerk auf einen starken Einstieg. Hier entscheidet sich in der ersten Minute, ob das Publikum zuhört oder ein kleines Nickerchen macht. Aller Anfang ist schwer – da bietet es sich an, Anleihe an der Autorität von Dichtern und Denkern zu nehmen. Bei einem Zitat hat sich schon mancher die Mühe gemacht, die Sache auf den Punkt zu bringen.

Die Botschaft transportieren
Ist der Einstieg einmal geschafft, geht es um den Kern des Ganzen. Worauf zielt meine Rede ab, was möchte ich sagen. Eine gute Rede informiert nicht nur, sie transportiert auch eine Botschaft. Und das am besten klar, deutlich und mehrfach. Die Botschaft ist der Wegweiser, den man nicht aus dem Auge lassen darf – sie gibt die Richtung an.

Ein abgerundeter Schluss
Am Ende empfiehlt es sich, das Werk wie eine Parabel abzurunden. Beziehen Sie sich noch einmal auf den Anfang, lassen Sie wieder das Bild entstehen, das dort schon genannt wurde und schließen Sie den Kreis. Soviel zum Aufbau.

Material sammeln
Wenn man weiß, wohin die Reise geht, kann man loslegen und dementsprechend Munition anlegen. Gut recherchiert ist halb gewonnen. Sammeln Sie so viel Material wie möglich, wühlen Sie sich durch, fischen Sie im Informationsmeer und wählen Sie bedächtig die passenden „Gustostückerln“ aus. Aber aufgepasst: Zahlenfluten und lange Aufzählungen schläfern die Zuhörer ein.

In der Kürze liegt die Würze 

img_6983Vermeiden Sie Langatmigkeit, bringen Sie es auf den Punkt, gut und genau. Sagen Sie das, was gesagt werden muss, in einfachen, gut strukturierten Sätzen, streichen Sie allen Ballast. Kurze Worte, kurze Sätze heißt die Zauberformel. Wenn ein Satz zu lange ist, am besten zwei daraus machen. Punkte sind Durchschnauf pausen für die Zuhörer. Angeblich kann der Mensch beim Zuhören nur einen Gedanken pro Satz aufnehmen. Daher empfiehlt es sich, Abstand von Schachtelsätzen, Umschreibungen, Verneinungen oder Passivformen zu nehmen.

Kluge Wortwahl: wenige Adjektive – aktive Verben
Üblicherweise können bis zu 60 Prozent der Adjektive gestrichen werden, sie verwässern den Text und machen ihn wattig. E. A. Rauter („Vom Umgang mit Wörtern“, München 1980) empfiehlt bei der Textoptimierung bezüglich Adjektiven sogar: „Wo es nicht zwingend ist, ist es falsch.“ Die Kraft hingegen liegt im Königswort der deutschen Sprache dem Verb – und das muss ein aktives „Tatwort“ sein, Passivformen unerwünscht.

In Bildern sprechen
Kleine Andekdoten und dergleichen sind hingegen immer erlaubt, das lockert auf, und bleibt in Erinnerung, ebenso wie die Bilder, die Sie entstehen lassen. Schon Leonardo da Vinci erkannte: „Der Mensch, das Augenwesen, braucht das Bild.“ Bilder sind ein wichtiges Werkzeug jeder Rede. Gefühle auslösende Bilder, Wörter und Wendungen sind der Joker des Redenschreibens.

Eine einfache, unkomplizierte Sprache wählen
Eine Rede braucht eine einfache, klare, unkomplizierte Sprache. Das Publikum kann nicht zurückblättern, sondern muss alles gleich beim ersten Mal verstehen, sonst steigt es aus. Auch sollte eine Rede zeitlich gut sortiert sein. Zu viele Zeitreisen verwirren den Zuhörer. Prüfen Sie am Ende kritisch Ihren Text, Unnötiges, nicht Unterhaltsames kann gestrichen werden.

Auf das Publikum eingehen
Sprechen Sie die Sprache ihres Publikums – Sie wollen verstanden werden. Es macht einen Unterschied in der Wortwahl, ob man zu Großmutters Geburtstag oder zur europäischen Landwirtschaftsreform das Wort erhebt.

Die Rede üben
Und noch ein letzter Tipp. Studieren Sie Ihre Rede ein, Reden gehören geübt, vorm Spiegel, vor Familienangehörigen, vor Freunden oder Kollegen. Sprechen Sie nicht zu schnell, halten Sie Blickkontakt mit dem Publikum und seien Sie authentisch.

Nun nehme man alle Zutaten und kreiere eine feine Rede. Gutes Gelingen wünscht Ihre ehemalige Redenschreiberin Natalie Eiffe-Kuhn

 

 

 

 

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