Keywords oder Key Words? Suchmaschinen mögen keine Komposita

Optimale Keywords wählen - nicht immer, was einem zuerst in den Sinn kommt

Das bessere Keyword bei der Suche nach der Smartphone-Hülle ist „Handyhülle“ – auch wenn das „Handy“ gar nicht reinpassen soll.

Heißt es nun Smartphonehülle oder Smartphone-Hülle? Oder doch lieber Smartphone Hülle? Keywords zu vergeben oder die passenden Keywords bei der Internetrecherche zu verwenden, ist keine Sache der Rechtschreibung, sondern folgt eigenen Gesetzen. Übrigens: Auch wenn das Handy bei den Briten und Amerikanern eigentlich „cell phone“ oder „mobile phone“ heißt und Smartphones auch in Deutschland längst nicht mehr handlich (=handy) sind… „Handy Hülle“ liefert bei der Internetrecherche nach der geeigneten Smartphone-Hülle mehr Treffer als „Smartphone Hülle“ – und Handyhülle in diesem Fall noch viel mehr. Ich sag’s ja: Sind halt eigene Gesetze. Mit vielen Ausnahmen.

Schreibt man lange Keywords besser zusammen oder getrennt?

Lange ist es her, dass Gelehrte, Politiker, Journalisten und Pädagogen über die Rechtschreibreform diskutierten. Vieles ist seitdem einfacher geworden, manches freizügiger (zum Beispiel die Interpunktion). Und manches für die „alten Hasen“ auch komplizierter. Was damals mitunter für Verwirrung sorgte, waren die neuen Regeln zum Zusammen- oder Getrenntschreiben. Für kurze Zeit gab es einen Trend, möglichst viel auseinander schreiben zu wollen. Heißt es nun „Radfahren“ oder „Rad fahren“, „weit gehend“ oder „weitgehend“?

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ein damaliger Redaktionskollege witzelte: „Wenn es heißt, die ägyptischen Pyramiden seien ‚weit gehend‘ zerfallen, ist es ja kein Wunder. Zum Laufen wurden die nicht gebaut.“ Zum Glück hat sich von den beiden korrekten Schreibweisen – ja, auch „weit gehend“ ist heute richtig – die Zusammenschreibung durchgesetzt. Doch statt der Rechtschreibreform nagt nun die Suchmaschinenoptimierung an der einen oder anderen Wortzusammensetzung. Sie beißt manches deutsche Kompositum in zwei oder mehr Stücke. Umgekehrt sind manchmal Keywords Googles Liebling, die es eigentlich gar nicht geben sollte.

Suchmaschinenoptimierung – nicht immer konform zur Dudenschreibweise

Für viele Menschen, die Internettexte schreiben, bedeutet Suchmaschinenoptimierung (kurz SEO = search engine optimization) eine unbequeme Mehrarbeit. Wachten früher erfahrene Texter und Lektoren darüber, dass Stil und Schreibweisen in den Publikationen aus einem Guss sind und sich an einem gegebenen, eindeutigen Wortschatz orientierten, müssen sich Onlinetexte nun den SEO-Gesetzen beugen. Wer über Smartphone-Hüllen schreibt, muss auch über Handyhüllen und Handy-Hüllen schreiben. Oder über Handy Hüllen. Denn Suchmaschinen behandeln diese Schreibweisen unterschiedlich.

Wer viele Suchende auf seine Seite locken möchte, sollte neben dem Keyword-Favoriten also auch andere Schreibweisen berücksichtigen. Dafür ist Suchmaschinen die Groß- und Kleinschreibung meistens egal. Ob beim SMS senden, beim Schreiben von E-Mails oder bei der Internetrecherche: Die Shift-Taste wird seltener genutzt und Google hat sich daran gewöhnt, den kleinen Kleinschreibungsfehler des Users zu ignorieren.

Mehr Suchmaschinen-Intelligenz zur Rettung der Rechtschreibung

Mir ist unverständlich, warum Google & Co. – ausgestattet mit gewaltigen Rechenzentren – zwar Tippfehler erkennen mag und mir beim Suchen alternative (richtige) Schreibweisen vorschlagen kann, aber zwischen Smartphone-Hüllen und Smartphonehüllen unterscheiden möchte. Für unseren Alltag beim Webtexte-Schreiben heißt das, Schreibweisen zu nutzen, bei denen sich ab und zu die Nackenhaare aufstellen. Wohlmöglich bürgern sich auseinandergerissene Komposita sogar langsam ein. Immer öfter finde ich Texte, in denen Bindestriche ebenso Mangelware sind wie komplexe Wortkompositionen.

Nun gut, Bing, Google und Yahoo sind in einem anderen Sprachraum entstanden und nicht überall sind lange zusammengesetzte Wörter üblich. Nicht umsonst dienen Wörter wie Donaudampfschifffahrtskapitän oder Luftkissenfahrzeuge (siehe R U there) Fremdsprachlern zur Belustigung. Dennoch wage ich es, einen Wunsch zu formulieren. Und vielleicht bemerkt ihn die eine oder andere Suchmaschine auch. Schließlich wird dieser Beitrag, wie andere auch, bald die Crawler von Google & Co. passieren.

Zwei Millisekunden für die Rechtschreibung

Bitte, liebe Suchmaschinen, schenkt uns ein oder zwei Millisekunden (zur Sicherheit: Milli Sekunden) Rechenzeit, um richtig geschriebene Wörter ebenso gut bei der Suche zu berücksichtigen wir falsche Schreibweisen. Dann könnten wir die gute alte Rechtschreibung pflegen. Es war ohnehin schwierig genug, sich daran zu gewöhnen, denn eigentlich ist unsere heutige Rechtschreibung noch gar nicht alt: Vor 20 Jahren, am 1. August 1996, trat die Rechtschreibreform in Kraft, die aus dem Kuß einen Kuss machte (und viele glauben ließ, das „Eszett“ sei nun überhaupt nicht mehr angesagt).

„Auch in Zeiten von Twitter und Facebook bleibt Sprache ein schützenswertes Gut“, stellt Kate Maleike fest (Sprache braucht mehr Aufmerksamkeit, 10. August 2016, Website des Deutschlandfunks). Intelligente Algorithmen in der IT der Suchmaschinen könnten helfen, dass sich falsche Schreibweisen nicht unsinnigerweise im Internet verbreiten.


Tipp zu SEO:

Für alle, die gern die Basics der Suchmaschinenoptimierung in nur 7 Minuten kennenlernen möchten, hat c’t „nachgehakt“: Im Video „Erster bei Google“ erläutert Daniel Berger, worauf es ankommt – und dass Ergebnisse der Optimierung nicht über Nacht zu erwarten sind.


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