Mit Flip-Flops durch das Sommerloch

Flip-FlopsTotraumfreie selbstansaugende Kreiselpumpen oder Flip-Flops? Als PR-Journalist muss man für alle Themen offen sein. Um etwas anderes als Kreiselpumpen kreisen meine Gedanken, sobald die Temperaturen im Büro steigen, die Unterarme auf dem Schreibtisch festkleben, Schweißtropfen in den Augen brennen und im Kaffee tote Fliegen schwimmen. Zur Belebung durchforste ich dann gerne die Tagespresse.

Mögen Flip-Flops endlich floppen

Bei der Suche nach Inspirationen stoße ich jahrein, jahraus auf dieselben Banalitäten, mit denen die Kollegen von Hörfunk, Fernsehen und Tageszeitungen die Sommerlöcher stopfen müssen. Bei Affenhitze ist ein Thema stets vertreten: der Dresscode am Arbeitsplatz. Knigge-Experten und Stilberater tun auch diesen Sommer ihren Unmut über das allzu saloppe Erscheinungsbild in manchen Büros mit Publikumsverkehr kund; auf der Liste der Fauxpas stehen kurze Hosen und Flip-Flops ganz oben.

Schlurf – schmatz – schlapp

In der Tat scheint es töricht anzunehmen, dass zivilisierte Menschen mit dem adäquaten Umfeld für Shorts und Badelatschen vertraut sind. Kaum steigen die Temperaturen über 20 °C, malträtieren die Teutonen die Trottoirs mit buntem, aufgeschäumtem Kunststoff an den nackten, bleichen Füßen. Nicht selten sind die großen Zehen mit putzigen Haarbüscheln garniert – wie Kartoffeln mit Petersilie. Diese Un(an)gezogenheit potenziert die Armee des Schreckens meistens mit ausgeleierten T-Shirts und ausgebeulten, knielangen Hosen. Nicht weniger quälend ist das geräuschvolle Schlurfen und Schlappen, insbesondere, wenn es Treppen zu überwinden gilt.

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich völlig ungeniert

Vor hundert Jahren soll der Künstler George Grosz in einem Brief geunkt haben: „Deutsch sein heißt immer, geschmacklos sein…“ (Das Pamphlet geht übrigens weiter und wird keinesfalls schmeichelhafter!) Ein Segen, dass Grosz in seinem kühlen Grabe ruht und die germanischen Grausamkeiten nicht sehen muss. Stampfen wir derart vierschrötig und ungeschlacht umher? Ja, nicht nur im Sommer! Mein Schlüsselerlebnis hatte ich an der pittoresken Südküste Englands. Obwohl leicht kurzsichtig, konnte ich aus der Ferne eine Menschengruppe als Landsleute identifizieren – eine furchterregende Ansammlung von Trecking-Treter-Trägern, deren Oberkörper in Kunstfaserplanen verhüllt waren wie der Berliner Reichstag von Christo.

Wo trägt man Wanderschuhe?

Insofern ist es tröstlich, dass selbst in Ländern wie Österreich und England, die für ihre ausgeprägte Schuhkultur berühmt sind, angemessene Fußbekleidung keine Selbstverständlichkeit ist. Anderenfalls wäre eine junge Wienerin wahrscheinlich nicht auf die Idee gekommen, mit Flip-Flops den Villacher Hausberg in Kärnten zu besteigen. Die Österreicherin musste mit Hubschrauber und Seil geborgen werden. Nicht immer ist das Tragen der Badeschlappen mit Gefahr verbunden. Das macht sich die Polizei Südenglands zunutze: Sie verteilt auf den Partymeilen kostenlos Flip-Flops an betrunkene Damen. Aus Sicherheitsgründen – damit die Ladys in ihren High Heels nicht die Contenance verlieren. Haltung zu wahren, ist den Germanen anscheinend weniger gegeben. I’ll do my very best.

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