Google weiß doch nicht alles!

Es ist Freitagvormittag: Die Sonne scheint, die erste Aussendung ist gerade an die Verteiler gegangen und auch ein erstes Akquisegespräch am frühen Morgen verlief ausgesprochen angenehm. Da klingelt das Telefon und zeigt eine Nummer mit der Vorwahl 0911 an. „Guten Morgen, hier ist die Google-Adwords-Neukundenbetreuung, mein Name ist …“, meldet sich die ausgesprochen freundlich klingende Stimme einer jungen Frau. Nanu, denke ich, ich bin doch kein Neukunde. Aber weil die Anruferin ausgesprochen charmant und so gar nicht aufdringlich wirkt, blocke ich das Gespräch nicht ab.

Und wirklich: Die Kollegin scheint mir aufrichtig helfen zu wollen, mein Google-Adwords-Konto besser zu nutzen, um so höhere Zugriffszahlen für die Website unserer PR-Software PressFile zu erzielen. Auch meine Einwände, dass es wenige Schlüsselbegriffe gäbe, die tatsächlich in dieser schmalen Nische wirken, wischt sie mit einem gefühlten Lächeln beiseite. Kurze Zeit später bin ich in meinem Benutzerkonto und denke, jetzt geht es los und nächste Woche brummt es nur so bei den PressFile-Besuchern.

Sie fragt nach meiner Kundennummer und ich gewähre ihr Zugriff. Spüre ich da eine leichte Unsicherheit? Ach nein, es scheint Stress zu sein. Denn sie erklärt mir, sie hätte jetzt noch einen anderen Termin. Aber um 11 Uhr könnten wir weitermachen.

Prima, denke ich. Denn tatsächlich habe ich mir das Benutzerkonto schon seit Monaten nicht mehr angeschaut. Nach einer anfänglichen Phase der Begeisterung vor einigen Jahren habe ich eigentlich sämtliche Aktivitäten eingestellt. Die Kampagne läuft seitdem nicht unbedingt superb, jedoch durchaus zufriedenstellend. Und alle kreativen Einfälle, über neue Suchbegriffe zu mehr Klicks zu kommen, blieben im Großen und Ganzen erfolglos. Deswegen warte ich nun voller Vorfreude auf meinen 11-Uhr-Termin. Denn bestimmt kennt meine freundliche Neukundenberaterin Tricks und Kniffe, wie wir jeden, der sich auch nur irgendwie für das Thema „PR-Software“ interessiert, auf die PressFile-Website locken.

Während ich mich so vor mich hin freue, klingelt das Telefon erneut und auf dem Display erscheint die fast schon vertraute 0911-Nummer. „Guten Tag Herr Pagel“, meldet sich die freundliche Beraterin. „Eine Frage hätte ich noch: Wann haben Sie denn Ihre Kampagne eigentlich angelegt?“. Keine Ahnung! War das schon vor vier Jahren? Wenn ich das noch so genau wüsste … „Aber das ist sicherlich schon länger als 14 Tage her“, meint sie. „Tja, das ist es in jedem Fall“, antworte ich. „Oh, das ist aber schade, denn dann haben Sie ja gar keinen Anspruch mehr auf eine persönliche Beraterin“, erklärt sie und gibt mir eine 0800-Nummer, über die ich den allgemeinen Kundenservice erreichen könne. „Was kostet denn das?“, frage ich sie. So ganz genau wisse sie das nicht, aber die 0800-Nummer sei in jedem Fall gebührenfrei. Sehr schade.

Nachdem ich eine gewisse Enttäuschung verarbeitet habe, macht sich bei mir ein Gefühl der Erleichterung breit: Google weiß also doch nicht alles. Nicht, dass ich kein Neukunde bin oder wann ich meine ersten Schritte mit Google-Adwords gemacht habe. Und auch nicht, was mich eine Bestandskundenberatung kosten würde.

Oder war das nur eine Finte und die wollen mich in Sicherheit wiegen???

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